AZ-Leserbrief

Wir brauchen auch Praktiker

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In der Appolonia-Oberschule in Uelzen sehen Luisa Alms und Nadine Niebuhr ihre Kinder gut aufgehoben. „Wir Eltern müssen mehr den Mut beweisen, praktisch veranlagte Kinder für eine Berufslehre zu motivieren“, finden sie.

Wohin mit unseren Kindern nach der vierten Klasse? Das fragen sich Eltern, deren Kinder keine typischen 1er- oder 2er-Schüler sind:

Schon Mitte der dritten Klasse wird sich orientiert. Wo soll das Kind hin, auf welche weiterführende Schule kann oder sollte es am besten gehen? Was für ein psychischer Druck für Kinder, aber auch für die Eltern...

Unsere Kinder sind keine klassischen, typischen 1er/2er-Schüler. Die Noten sind durchschnittlich, Hauptfächer 3. Sie gehen aber gerne und motiviert zur Schule und machen fleißig ihre Hausaufgaben. Doch das genügt nicht fürs Gymnasium.

Früher waren solche Kinder, wie wir sie haben, klassische Realschüler. Doch schon jetzt hören wir Eltern von anderen Eltern: „Tja, die normalen Kinder gehen aufs HEG oder LEG, der Rest muss zur OBS (Oberschule)“. „Unnormal“ sind unsere Kinder bestimmt nicht, sie sind praktisch veranlagt, lernen gerne. Doch was tun wir Eltern? Schicken wir unsere Kinder aufs HEG oder LEG, nur um sagen zu können: „Unser Kind geht aufs Gymnasium und macht Abi“? Zu welchem Preis? Stundenlang lernen, Leistungsdruck, viel Nachhilfe, wenig Freizeit und viel Stress in den Familien.

In Deutschland herrscht die Devise: „Wer nicht studiert, hat nichts erreicht.“ Doch wohin dann mit unseren Kindern? Eine IGS (Integrative Gesamtschule) hat Uelzen leider nicht – noch nicht. Das wäre die passende Schulform für unsere Kinder.

Deshalb besuchten wir zusammen mit unseren Kindern am Tag der offenen Tür die Apollonia-Oberschule in Uelzen, auch, weil wir keine Alternative sehen. Ganz ehrlich, wir sind dort eher mit gemischten Gefühlen hingefahren und eher in der Annahme, es bleibt uns ja nichts anderes übrig.

Doch wir wurden überrascht. Freundlich wurden wir von der Schulleitung empfangen, und überall waren junge und engagierte Lehrer zu sehen. Die zahlreichen Schüler empfingen uns in den verschiedenen Räumen. Unsere Kinder konnten mit den OBS-Schülern Experimente ausprobieren im Chemieraum, lernten in der Italienisch-Werkstatt spielend italienische Vokabeln, besuchten die hauseigene Bücherei, spielten mit voller Begeisterung auf dem Schlagzeug im Musikraum, zeigten sich beeindruckt von den Werkstätten ... 

Unsere Kinder und auch wir haben einen tollen Zusammenhalt innerhalb der Schüler aus allen Reihen, egal ob mit Migrationshintergrund oder nicht, empfunden. Wir haben uns gut gelaunt und zufrieden auf den kurzen Heimweg gemacht. Kurz – wir müssen unsere Kinder nicht zur KGS oder zu einer anderen OBS schicken, wo sie stundenlang im Bus sitzen. Sondern sie können von Veerßen mit dem Fahrrad zur Appolonia fahren ...

Deutschland braucht auch die Praktiker, wenn alle studieren – wer macht dann die praktische Arbeit? Wir Eltern müssen mehr den Mut beweisen, praktisch veranlagte Kinder für eine Berufslehre zu motivieren. Auch in vielen sogenannten „gehobenen“ Familien gibt es sicherlich Kinder, die froh wären, wenn sie eine berufliche Lehre absolvieren dürften. Die OBS Uelzen bekommt von uns eine Chance. Wir sind uns sicher, dass unsere Kinder dort gut aufgehoben sind...

Luisa Alms und Nadine Niebuhr, Veerßen

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