Wo bleibt der Elternwille?

Beim Ganztagsangebot in der Stadt Uelzen scheiden sich die Geister – AZ-Leser Ralf Siebert sieht den Wunsch der Eltern aus den Ortsteilen nicht genügend berücksichtigt.
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Beim Ganztagsangebot in der Stadt Uelzen scheiden sich die Geister – AZ-Leser Ralf Siebert sieht den Wunsch der Eltern aus den Ortsteilen nicht genügend berücksichtigt.

Zur Diskussion über das Ganztagsgrundschulangebot in der Stadt Uelzen schreibt Ralf Siebert aus Uelzen-Holdenstedt:

Die Entscheidung zum Thema Ganztagsschule im Schulausschuss ist gefallen. Dem Rat werden folgende Schulen als Ganztagsgrundschulen vorgeschlagen: Stern, Lucas-Backmeister und Oldenstadt. Wo bleibt da die Berücksichtigung aus dem Ergebnis der Elternbefragung? Den Schülern sollen laut Schulentwicklungsplanung möglichst optimale Lernbedingungen geboten werden. Gehört dazu ein deutlich längerer Schulweg, bei dem die kleinen Erstklässler mit ihren Köpfen im Bus unter den Ranzen der größeren Schulkinder stehen? Das ist ja selbst für Erwachsene eine ängstigende und beklemmende Vorstellung!

Des Weiteren besagt das Niedersächsische Schulgesetz: „Die Landkreise und kreisfreien Städte bestimmen die Mindestentfernung zwischen Wohnung und Schule, von der an die Beförderungs- oder Erstattungspflicht besteht. Sie haben dabei die Belastbarkeit der Schülerinnen und Schüler und die Sicherheit des Schulweges zu berücksichtigen.“ Aus meiner eigenen Erfahrung als ehemaliger Fahrschüler sind mir diese Belastungen durchaus noch präsent, und keinem sechsjährigen Kind sollte diese Belastung zugemutet werden, wenn die Schulwege in einem 2-km-Radius bleiben könnten.

Und was ist mit der Belastung der Eltern? Da sicherlich alle Eltern möchten, dass ihre Kinder sicher und entspannt zur Schule kommen, kann man sich gut vorstellen, dass einige ihre Kinder selbst zur Schule fahren, wenn sie denn in Uelzen arbeiten.

Wo wir bei der Frage des Transportes sind: Dieser ist immer noch nicht richtig geklärt! So, wie die Fahrstrecken der RBB-Busse derzeit liegen, müssten Kinder, die die Hermann-Löns-Schule besuchen sollen, an der Kreisverwaltung (ca. 1,5 km) oder an der Haltestelle beim Dänischen Bettenlager (ca. 1 km) aussteigen und den Rest zu Fuß zurücklegen. Um zur Sternschule zu gelangen, müssten die Kinder am ZOB/Hauptbahnhof (ca. 1,1 km) aussteigen und den Rest zu Fuß zurücklegen. Für die Erreichbarkeit der Lucas-Backmeister-Schule gelten ähnliche Probleme.

Ich kann jetzt schon die kritischen Stimmen hören: Da müssen die Eltern eben etwas mehr leisten. Früher waren auch nicht beide Elternteile berufstätig. Da kann ein unkomplizierter Schulweg schnell zu einer existenziellen Frage werden.

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