Leserbrief

Wo bleibt Aufschrei der Artenschützer?

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Die Mufflons in der Göhrde sind stark dezimiert worden.

Rüdiger Wnuck aus Ebstorf schreibt zur Berichterstattung über die durch den Wolf in ihrem Bestand gefährdeten Mufflons in der Göhrde:

Sie werden also verschwinden. Von den 250 Mufflons in der Göhrde sind nur noch 25 bis -50 übrig geblieben. Wo bleibt der Aufschrei der vielen Natur- und Artenschützer? Hier verschwindet eine Tierart auf Nimmerwiedersehen! Der älteste und genetisch besonders reine Muffelwildbestand Deutschlands wird von Wölfen aufgefressen und keiner aus der Fraktion derer, die sich als Artenschützer sonst stets lautstark positionieren, scheint das zu interessieren. Aber wehe, wenn Ortolan oder Feldhamster, Fischotter oder Biber in Bedrängnis kommen!

Die Göhrde-Mufflons haben sich seit mehr als 25 Generationen erfolgreich fortgepflanzt. Damit sind sie doch wohl berechtigter Weise als heimische Wildtierart einzustufen. Jenen nun plötzlich den Artenschutz zu verweigern, wie vom Umweltministerium verkündet, ist doch wohl nur als Treppenwitz zu verstehen. Mufflons sind nach der Weltnaturschutzunion IUCN als gefährdet eingestuft.

Es ist eine unerträgliche Arroganz der niedersächsischen Artenschutzbürokraten, willkürlich Zeitepochen zu bestimmen, mittels derer sie verfügen, ob und welche wild lebenden Tiere als „heimisch“ oder „nicht heimisch“ zu betrachten sind. Es schlägt zudem dem Fass den Boden aus, dann auch noch zu behaupten, ein direkter Zusammenhang zwischen dem Eintreffen des Wolfes und einem Rückgang der Mufflon-Population sei über die Rissstatistiken nicht erkennbar, da Mufflon als wild lebende Art nicht unter die Richtlinie Wolf fallen. Diese Statistik ist mittlerweile wie eine Laterne im Hafen, die einem betrunkenen Seemann eher als Halt denn als Erleuchtung dient!

Natur- und Artenschutz sollten ehrlich verkauft werden. In unserer dicht besiedelten und intensiv genutzten Landschaft sind die „Freiheitsrechte“ aller wildlebenden Tiere zwangsläufig eingeschränkt. Denn wir leben nicht in Kanada mit vier Menschen auf einem Quadratkilometer, sondern in Deutschland mit 227 auf dieser Fläche.

Es wäre deshalb den euphorischen Wolfsenthusiasten dringend anzuraten, bei ihrem rosaroten Blick auf ein „wildes Wolfs-Niedersachsen“ die Augen auch mal auf jene Literatur zu richten, in der wolfserfahrene Praktiker die Folgen beschreiben, wenn sich Wolfspopulationen ungesteuert entwickeln (dürfen).

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