Leserbrief

Es bleibt alles anders

Immer mehr Menschen erwerben eine Schreckschusspistole. Auch die Nachfrage nach Cs-Gas und Pfefferspray ist gestiegen. Die Käufer sprechen von einem höheren Schutzbedürfnis.
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Immer mehr Menschen erwerben eine Schreckschusspistole. Auch die Nachfrage nach Cs-Gas und Pfefferspray ist gestiegen. Die Käufer sprechen von einem höheren Schutzbedürfnis.

Zur Kolumne „Von Woche zu Woche“ vom 19. Dezember mit dem Titel „Das Geschäft mit der diffusen Angst“ schreibt Michael Nagel aus Himbergen:

Wir können viel von den Vereinigten Staaten lernen – auf keinen Fall aber, dass private Aufrüstung mit Waffen zu mehr privater Sicherheit führt. Die vielen Attentate dort sind Beweis genug.

Das Gefühl vieler Deutscher, machtlos zu sein, verstehe ich allerdings gut. Niemand hat uns persönlich gefragt, ob wir unsere Soldaten nach Afghanistan schicken und Griechen helfen wollen oder Flüchtlinge aus anderen Ländern aufnehmen möchten.

Viele Deutsche möchten, dass alles so bleibt wie es ist – um dies sicher zu stellen, werden jetzt vielerorts mehr Waffen gekauft und nicht oder AfD gewählt. Das Problem ist nur: Es wird nichts so bleiben wie es ist – daran zu glauben ist selbstbetrügerisch – es „bleibt alles anders“. Die Welt ist in einem ständigen Wandel begriffen, wir alle sind in einer Demokratie aufgefordert, den Wandel mit zu gestalten.

Die etablierten Parteien versuchen sich an der Gestaltung des Wandels, ernten aber häufig nur Spott. Weil wir alle bessere Rezepte für die Lösung unserer Probleme haben als die Politiker in Brüssel, Berlin, Hannover oder Uelzen. Glauben wir das ernsthaft? Ich zum Beispiel habe für mich erkannt, dass die Anzahl der möglicherweise im Landkreis bleibenden Flüchtlinge gut integriert werden wird, wie das auch bisher der Fall war (auf dem Land funktioniert das viel besser als in hochhausgeprägten Vororten von Großstädten). Diese Zuwanderer können aber die stark sinkende Bevölkerungszahl in unseren Dörfern nicht ausgleichen. Deshalb bin ich zwar für eine aktive Einwanderungspolitik (die sich die motivierten Ausländer, die zu uns passen, aussucht), frage mich aber, ob man das wirklich unserer Gesellschaft zumuten kann. Sind wir reif genug dafür?

Es sind nicht die Flüchtlinge, die mir Angst machen, es sind die braunen Brandstiftungen. Ich schäme mich für die Schlagzeilen aus Bad Bevensen, die in die Welt gegangen sind.

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