Billig aus dem Streichelzoo

Leserbrief zur FDP-Agrartagung „Billig aus dem Streichelzoo“, AZ vom 7. Januar:

Wenn Herr Goldmann, wie berichtet, von den globalen Märkten „Sauberkeit und Transparenz“ fordert, kann ich ihm nur zustimmen. Leider blieb er bei diesen Vokabeln hängen, ohne sie mit den nötigen Fakten zu füllen. Ist es sauber und transparent, wenn auf den Verpackungen der Lebensmittel Bilder von Bauernhöfen aus dem letzten Jahrhundert dargestellt werden, die Produkte aber aus moderner industrieller Qualzucht stammen? Wenn sich Firmen den Namen „Wiesenhof“ geben, die vermarkteten Tiere aber nie eine Wiese gesehen haben? Wenn die Produktion von Hähnchen- und Schweinefleisch in Deutschland weit über 100% liegt, das Fleisch dann subventioniert in die Dritte Welt geliefert wird unter dem Deckmantel der Bekämpfung des Hungers, dabei aber die dortige einheimische Landwirtschaft kaputt gemacht wird und dadurch der Hunger vergrößert wird? Wenn die Freigabe des Zuckermarktes bekämpft wird, die heimische Zuckerrübe gegenüber dem Rohrzucker geschützt werden soll? Exportieren ja, aber importieren nein? Alles Fragen, die auf der Tagung leider nicht zur Sprache kamen.

Auch bei den erneuerbaren Energien wurden überwiegend die Argumente gebracht, die in das Weltbild des Bauernverbandes passten. Es ist schon ungerecht, wenn beim Bau von Stromtrassen die Gemeinden eine höhere Entschädigung bekommen als Landwirte, über deren Felder die Trassen geführt werden sollen, aber wenn stolz über die Ausnahmeregelungen berichtet wird, die es bei der eigentlich zu fordernden Nutzung der Wärme bei den Biogasanlagen gibt, geht wieder Gewinnmaximierung vor dem gesellschaftlichen Nutzen.

Alfred Fahldieck, NABU Uelzen

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