AZ-Leserbrief

Pustekuchen, Augenwischerei und Heuchelei

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„Im Rausch der Niedrigpreise merken wir nicht, dass das von uns Geforderte vom Verbraucher selbst wieder zerstört wird oder mit der Realität nichts zu tun hat“, findet AZ-Leser Hans-Günther Bothe aus Bienenbüttel. 

Zum Artikel „Kampf um Niedrigpreise“, AZ vom 12.  März, schreibt dieser Leser:

Ja, glaubt denn der Verbraucher wirklich, dass es bei knallharter Kalkulation der Discounter für die Preise nach unten nochmals Luft gegeben wird? Pustekuchen, Augenwischerei und Heuchelei. Diese Preise haben mit einer korrekten, nach den Mechanismen der Betriebs- und Marktwirtschaft nicht das Geringste zu tun.

Die Preise sind nicht mehr kalkulationsfähig, da gibt es nichts mehr zu berechnen. Aldi und Lidl holen hier den Dampfhammer der gegenseitigen Unterbietungspreise raus. Da werden Lieferfirmen der Discounter die Vertragsdaumenschrauben angedreht mit dem Argument: „Lieferst du nicht zu diesem Preis, bist du weg vom Fenster“. Ohne Wenn und Aber.

Logische Konsequenz der Lieferanten: Man geht zum Schluss an den Galgen der Insolvenz oder man entlässt Personal und macht Lohndumping. Da juckt keinen der Mindestlohn.

Es kann auch nicht sein, dass man bei diesen Kampfpreisen Eier oder Fleisch von glücklichen Tieren, alles aus dem Herkunftsland Deutschland, anbietet. Da wird so manch trauriges oder klagendes Tier dabei sein. In der Haltung werden die Ansprüche immer höher und teurer, aber das Endprodukt schleicht auf dem Niedrigpreisboden. Da ist es doch völlig klar, dass man schon mal einen Kühlwagen aus Dänemark die Produktionsstelle anfahren lässt, denn in Deutschland gibt es gar nicht so viel Flattervieh und vierbeinige Kameraden.

Der Verbraucher redet immer von Tierschutz, kauft aber das billige Endprodukt, das bestimmt nicht aus artgerechter Haltung der Tiere stammt. Im Rausch der Niedrigpreise merken wir nicht, dass das von uns Geforderte vom Verbraucher selbst wieder zerstört wird oder mit der Realität nichts zu tun hat. Der Spruch „Geiz ist geil“ war mal lustig. Heute ist er zerstörend und tödlich.

Hans-Günther Bothe, Bienenbüttel

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