Leserbrief

Ein bewusster Schritt der Integration

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Ein muslimisches Gräberfeld auf dem Friedhof Westerweyhe ist laut Dieter Thiel ein Schritt zur Integration.

Zum geplanten muslimischen Gräberfeld in Westerweyhe und die Berichterstattung zum Thema schreibt Dieter Thiel aus Uelzen:

In der Debatte um ein muslimisches Gräberfeld auf dem kommunalen Friedhof Westerweyhe ist eine sachliche Debatte notwendig. Der Artikel über die Informationsveranstaltung im Dorfkrug am 16. November ist einseitig und durch die Überschrift „Keine ‚Extrawurst’ für Muslime“ diffamierend.

1. Im Landkreis Uelzen leben mehr als 5000 Ausländer aus 133 Nationen. Im Jahre 2015 sind 1500 Personen verschiedener Konfessionen mit vielen Kindern und Jugendlichen als Flüchtlinge in den Landkreis gekommen. Die Gesamtzahl der Bewohner muslimischen Glaubens ist unbekannt, da viele mit deutschem Pass seit Jahren im Landkreis leben.

2. Muslime aus Uelzen haben die Stadt gebeten, auf einem der Friedhöfe eine Bestattungsmöglichkeit zu schaffen, die ein Begräbnis nach islamischem Ritus ermöglicht.

3. Aus religiösen Gründen müssen muslimische Gräber so angelegt werden, dass der Verstorbene in halbrechter Position liegend mit seinem Gesicht nach Osten, nach Mekka, blicken kann. Über viele Jahre hat sich die Reihung der Grabfelder auf dem Ortsfriedhof so entwickelt, dass eine Ausrichtung eines muslimischen Grabes mit der gebotenen Blickrichtung aus technischen Gründen nicht machbar ist. Es geht also nicht um eine „Extrawurst“ für Muslime, sondern um die Respektierung einer religiösen Überzeugung.

4. Muslimische Grabfelder sind ohne Probleme in Lüneburg, Gifhorn, Hamburg und Hannover in Benutzung. Mit einem Gräber-Tourismus ist nicht zu rechnen. Lüneburg hat drei bis vier Bestattungen pro Jahr. Selbstverständlich gilt die Friedhofssatzung für die muslimischen Bestattungen (Gebühren, Liegedauer) wie für alle anderen auch.

5. In den nächsten Jahrzehnten werden hinzukommende Grabflächen das muslimische Gräberfeld einrahmen, integrieren. Für die Muslime ist die Bestattung auf deutschem Boden, tausende Kilometer von ihren Herkunftsländern entfernt, ein bewusster Schritt der Integration.

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