Besser früh als zu spät

Zur Diskussion um eine Biogasanlage in Suderburg:

Jörn Nolting mutet es in seiner Wochenrevue „erstaunlich“ an, dass sich in Suderburg gegen die Errichtung einer Biogasanlage bereits jetzt „vorschneller Protest“ regt, obwohl noch nicht einmal eine Baugenehmigung beantragt wurde. Wer auf dem Lande wohne und in einem Dorf groß geworden sei, der sollte eigentlich wissen, das Problemlösungen nicht unbedingt über die Bildung einer Bürgerinitiative funktionieren, meint Nolting. Da setzten sich die Beteiligten am besten an einen Tisch und redeten über ihr Vorhaben, gibt er zu bedenken. Weiterhin behauptet er, in Suderburg sei kein Geheimnis aus der Planung für die Biogasanlage gemacht worden.

Das ist schon einmal falsch! Richtig ist, dass die Betreiber, allen voran „Freizeitlandwirt“ und CDU-Landtagsabgeordneter Jörg Hillmer aus Suderburg (sein Geschäftspartner ist der Großlandwirt Pommerien aus Nienwohlde), die Öffentlichkeit bis heute nicht über sein Vorhaben in Kenntnis gesetzt hat, von einer frühzeitigen, fürsorglichen Einbeziehung der Bürger von so einer alles als unproblematischen Einrichtung ganz zu schweigen.

Für die blieb es nämlich bis vor kurzem ein totales Geheimnis, weil Hillmer lediglich die Kreis- und Gemeindeverwaltung, vor Monaten bereits, von seinem Vorhaben in Kenntnis setzte, was unumgänglich war, weil eine „Antragskonferenz“, die am 30.September stattfand, einen förmlichen Bauantrag vorgeschaltet ist.

Wenn Herr Hillmer lernfähig wäre, hätte er – spätestens nach „Stuttgart 21“– gewusst und danach gehandelt, die Öffentlichkeit seines Wohn- und Betriebsortes Suderburg bereits vor Monaten informatorisch und gesprächsmäßig einzubeziehen, also Transparenz zu schaffen, um zu versuchen, die Menschen mitzunehmen und einzubinden. Aus purem Zufall erfuhr aber erst kürzlich Suderburgs Öffentlichkeit von Hillmers Biogasplan, weil seine Absicht „unter der Hand“ ganz wenigen Einwohnern „gesteckt“ wurde.

Das entwickelte sich allerdings zu einem Lauffeuer mit der Folge, dass sich spontan die Bürgerinitiative Pro Suderburg „ Keine K 9 Biogasanlage“ konstituierte und einen Informationsflyer unters Volk brachte. Erst der öffnete vielen die Augen.

Der von Hillmer ins Rollen gebrachte Zug für seine Biogasanlage war bereits abgefahren und die Beantragung der Baugenehmigung nur noch eine Frage der Zeit. Gefahr im Verzug existierte also.

Da ist es doch wohl verantwortungsbewusster, so schnell wie irgend möglich auf den fahrenden Zug aufzuspringen, die Notbremse zu ziehen, und nicht etwa mit den Betreibern so eine Anlage an der Öffentlichkeit vorbei irgendwelchen faulen Kompromisse auszukungeln.

Das haben Suderbuger Bürger mit der Gründung der BI bewusst nicht getan und damit Hillmers Absicht vermasselt, klammheimlich vollendete Tatsachen zu schaffen. Auch wenn ich als gebürtige Suderburgerin, die weit mehr als 20 Jahre dort gelebt und den Ort nur wegen des Arbeitsplatzes meines Mannes verlassen habe, kehre ich gerne zu meinen Wurzeln, zu Familienangehörigen und guten Freunden immer wieder mal zurück vor Ort und kann im übrigen sehr gut nachvollziehen, dass viele Einwohner Suderburgs weder so ein industrielles Monstrum noch so einen „Stinkstiefel“ vor ihrer Nase im Suderburger Lande haben wollen.

Nicole Marquardt,

Sauensiek

früher Suderburg

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