„Beschämende Sorgen“

Die eventuelle Unterbringung von Asylbewerbern im ehemaligen Medinger Hotel „Vier Linden“ könne auch eine Chance sein, meint AZ-Leserin Monika Hanke. Archivfoto: Brütt

Zum Leserbrief von Volker Heinecke „Für Firmen schlechte Wahl“ (AZ vom 16. Mai) über die geplante Unterbringung von Asylbewerbern im Hotel „Vier Linden“ schreibt Eberhard Raabe aus Uelzen:.

Selten habe ich eine so unverblümte Ausgrenzung von Menschen auf der Flucht vor Mord und Vernichtung,vor Krieg und Völkermord in meiner Heimatzeitung gelesen! Der Grund? Die Immobilienpreise fallen!

Volker Heinecke schwadroniert vom „allgemeinen Sicherheitsgefühl“, welches „negativ“ beeinflusst würde.

Es ist in meinen Augen unredlich, älteren potentiellen Gästen aus dem Umland oder Kunden mit „...den Ausländern...“ zu drohen. Durch was? Durch eine aufgeblasene Bedrohung durch Flüchtlinge? Meine Eltern waren Flüchtlinge, die Familie meiner Frau war eine Flüchtlingsfamilie. Bin ich eine Bedrohung, weil ich und meine Geschwister Flüchtlingskinder sind? Für uns war es selbstverständlich, Menschen in Not aufzunehmen. Da fragte keiner, ob sich der Wert der angrenzenden Immobilie verändern würde.

Zum selben Thema nimmt Monika Hanke aus Uelzen Stellung:

Ihre „Sorgen“, Herr Hei- necke, um den Verlust von Immobilienpreisen bezüglich der Unterbringung von Asylbewerbern beschämen mich. Angesichts der Flüchtlingsströme auf dieser Welt, die Menschen vor Hunger, Krieg, Diktaturen und wirtschaftlicher Perspektivlosigkeit fliehen lässt, sollten Sie sich eher fragen, was können wir tun, damit diese Menschen sich in dieser Zeit hier zu Hause und sicher fühlen können, solange sie hier geduldet sind. Gehen Sie auf die Menschen zu, besuchen Sie die Neuankömmlinge im Hotel „Vier Linden“ und bringen Sie sich ein, anstatt neue Mauern aufzubauen.

Viele Menschen in Bad Bevensen haben das getan, als damals die ersten Flüchtlinge in Bad Bevensen in die Villa am Park kamen, besonders auch unser Bürgermeister Martin Feller, der sich bis heute – übrigens ehrenamtlich – sehr für die Flüchtlinge und die ehrenamtlichen Mitarbeiter einsetzt. Vielleicht gewinnt Bad Bevensen/Medingen ja dadurch an Attraktivität, weil deutlich wird, hier leben Menschen, die bereit sind, über ihren Gartenzaun zu blicken und sich engagieren.

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