Baumschnitt mit bedacht

Leserbrief zum Artikel „Radikalkur für Linden an der Schützenallee“ vom 4. Januar:

Gegen einen Rückschnitt sehr hoch gewachsener Linden wird sich auch ein Naturfreund nicht wenden, sofern die 100- jährigen Bäume keinen Schaden nehmen oder verunstaltet werden. Die Beurteilung eines schadlosen Rückschnittes sollte man aber einem unabhängigen Gutachter übereignen und nicht einem Fachbetrieb, wie es Ratsherr Thomas Weigelt in Bienenbüttel vorschlägt. Das wäre ja so, als wenn eine Abbruchfirma über einen Gebäudeteilabbruch befragt wird und dann einen Totalabbruch empfiehlt, auch, wenn der Abbruch vielleicht unsinnig gewesen wäre. Man wünsche sich eine Baumstutzung auf zehn Meter Höhe, so ist im Leserbrief zu lesen, also mindestens eine Halbierung der bisherigen Baumhöhen. Im vorliegendem Fall ist zu befürchten, dass nach dem oben aufgeführten Beispiel die Bäume ganz der Kettensäge zum Opfer fallen, das Holz verkauft wird und eine Neuanpflanzung in Auftrag gegeben wird. Ein lohnendes Geschäft für eine Fachfirma, die wegen des Rückschnittes befragt wurde. So oder ähnlich könnte es ablaufen, zumal in Bienenbüttel wegen einer fehlenden Baumschutzsatzung vieles denkbar ist, auch eine radikale Baumfällung mit Neuanpflanzung. Nach der Baumfällaktion an der Bahnhofstraße im Zuge der Dorferneuerung im vergangenen Jahr und der empörten Reaktion vieler Bürger sollten innerhalb des Gemeinderates alle Schritte sorgfältig und sensibel abgewogen werden, was die Linden in der Schützenallee angeht. Das Allgemeininteresse an der Erhaltung der dorfrandprägenden Lindenallee hat vor den Wünschen Einzelner, trotz behauptetem schlechtem TV- Empfang über Satelitenschüssel oder ungünstiger Nutzung einer Photovoltaikanlage, Vorrang. Da wurde offensichtlich bei der Errichtung dieser Anlagen schlecht auf die vorhandene Situation reagiert und die Linden sind jetzt daran schuld. Der Respekt vor Naturdenkmälern sollte vor partikularen und wirtschaftlichen Interessen stehen. Denkt mal über ein Denkmal nach und über die Schönheit der Schöpfung! Wie eine Neuanpflanzung von Bäumen nach über zehn Jahren aussieht ist gut am Vierenbachsweg zu sehen. Sie ähneln eher umgekehrten Kehrbesen als gesunden Bäumen. Sie haben offensichtlich Probleme mit dem Anwachsen. Die zukünftigen vermehrt trockenen Sommer und feuchtwarmen Winter werden den Junganpflanzungen durch Baumschädlinge und Pilzerkrankungen zu schaffen machen. Man sollte alte Bäume nicht krankreden, das heißt, nicht kranker machen, als sie sind. Linden können 900 bis 1000 Jahre alt werden, um den Umweltnutzen einer einzigen Linde auszugleichen, müsste man 100 Neuanpflanzungen vornehmen. Ein ausgewachsener Baum verdunstet bis zu 30 000 Liter Wasser im Jahr, welches er dem Boden entzieht und über seine Blätter gereinigt wieder an die Luft abgibt. Durch Fotosynthese verwandelt er 1,5 Kilgramm schädliches Kohlendioxyd pro Stunde in Sauerstoff um, wovon 50 Menschen atmen und damit leben können. Bäume tragen somit zu einem angenehmen und ausgeglichenen Klima bei und bieten vielen Insekten und Kleintieren Lebensraum. Lebensraum, der uns Menschen auch zu Gute kommt.

Christoph R.Tornow, Bienenbüttel

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