Auf Autobahn-Asphalt ist gut Fahren

Leserbrief zur AZ-Berichterstattung „Nordland-Autobahn-Verein macht sich für A 39 stark“ vom 25. Oktober 2011:

Wow! Ich bin erleichtert. Endlich macht sich mal wieder jemand für die A 39 stark. Monatelang haben Pro-A 39-Leute á la Reese & Co. geschlafen und das Revier den ewig herumnörgelnden A 39-Gegnern überlassen. Allen voran in letzter Zeit diesen Michael Kohlhaas-Typen aus Hohnstorf, die - aus purem Eigennutz, versteht sich - anstänkern gegen einen fort–schrittlichen, rund um die Uhr von Hunderten LKW’s belebten, die Land–schaft verschönernden und dazu - was will man mehr - einen nachts strahlenden Parkplatz mit einer Tank- und Rastanlage. Und das alles vis à vis ihres malerischen Dorfes, das durch die A 39 endlich zum Leben erweckt werden soll. Pfui Teufel! So was tut man nicht in unserem ordentlich aufgeräumten Deutschland. Wo bleibt das Positive, Eckehard Niemann? Ja wo bleibt es nur, assistiert Mathias Sost in seiner und Seines–gleichen Aufmüpfigkeit mit unverhohlener Widerborstigkeit beim A 39- Nein. Deutschland, deine Autobahnen, leuchtet es dank des in die Jahre gekom–menen Nordland-Autobahn-Vereins jetzt aus über 200 Unternehmeraugen. Das ist kein trauriger Stoßseufzer, der einem beim andächtigen Lauschen der täglichen Verkehrsnachrichten-Autobahn-Staumeldungen entfährt. Son–dern das ist der Auftakt einer zärtlichen, goldenen Herbstballade. Ein mittelalterliches Tanzlied, bei dem man auch ohne Geholper und Pferde–wechsel im Stop- and Go-Verkehr in Bewegung bleibt. Stellen Sie sich doch jetzt schon mal eine durchgehende A 39 zwischen Hamburg und Wolfs–burg vor: Die Sonne geht gerade auf, zwei Spuren - und vielleicht werden’s ja irgendwann sogar mal drei - schießen auf den rosafarbenen Hori–zont zu. In der zart duftenden Morgenbrise wiegt sich die frisch ge–stutzte Mittelstreifenbepflanzung. Ihr Motor schnurrt kätzchengleich. Das Lenkrad schmiegt sich liebevoll an Ihre Hände. Blau-weiße Schilder fliegen vorbei: Bad Bevensen, Lüneburg, Winsen, Horster Dreieck. Oder in umgekehrter Richtung: Uelzen, Bad Bodenteich, Braunschweig, Wolfs–burg. Und jeweils mit Kilometerangabe. Kein Wort zu viel, und doch alles, was ein A 39-Fahrerherz glücklich macht. Es höher schlagen lässt. Und wo das menschliche Miteinander Vorfahrt hat: Wo Gas geben und schnelles Fortkommen und die Lichthupe als einfaches Zeichen, wer in unserer Ge–sellschaft Vorfahrt hat, genügt, damit der Schwächere dem Stärkeren Platz macht. Was will Mensch noch mehr, verdammt noch mal?! Es wird wirklich Zeit, endlich auch mal die schönen Seiten einer das schöne Land Niedersachsen durchquerenden A 39 zu betrachten. Damit sind nicht die taubedeckten Felder, die Kirchtürme malerischer Ortschaften, das friedlich auf den Weiden grasende Vieh, oder „Karl der Käfer“ entlang der B 4, der B 71 et al. gemeint. Sondern der A 39-Asphalt unter den Rädern, die Fahrbahnmarkierungen sowie der Rüttelstreifen, der noch in der Testphase ist und uns wecken soll, wenn wir im Traum zu weit nach links abdriften. Das könnte jetzt natürlich ein eleganter Schlenker in Richtung natur- und menschenfreundlicher Politik sein. Aber wer driftet in Deutschland trotz Rüttelstreifen schon nach links ab?!

Borvin Wulf,

Suderburg

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