Ausgewogen

Zu Berichten über die Rückkehr der Wölfe: Als wir im Winterhalbjahr 2008/9 unser gerade neu erworbenes Haus in Nateln renovierten, konnten wir zufällig beim Mittagessen in Gasthaus Kiens in Rosche anhören, wie sich drei Jäger- die offenbar hier aus der Gegend stammen- über die Rückkehr der Wölfe unterhielten. Mehr oder weniger laut und deutlich sprachen sich alle drei gegen die Rückkehr aus. Zumindestens einer meinte sogar, „dass man als Jäger „dagegen was unternehmen müsse und auch könne- es da ja so einige Möglichkeiten.“ Welche verschwieg er (leider)...

Dann wurde ich Abonnement Ihrer Zeitung und las darin die offizielle Stellungnahme der Jagdverbände. Und frage mich seitdem, ob hier nicht doch „Angriff die beste Verteidigung“ ist, man also die Rückkehr der Wölfe aus taktischen Gründen begrüßt- und dann „gut dasteht“, wenn mal (wieder) ein Wolf im Schäferhundepelz als „wildernder Hund“ erschossen wird. Denn das wollte „man“ ja nun auf gar keinen Fall...- und hat es ja auch „laut und deutlich“ Kund gemacht.

Fakt ist: Der Wolf ist schon da. Auch hier war oder ist er schon. Weder Hösseringen, Nateln, die Göhrde noch Unterlüß sind für frei lebende Wölfe Entfernungen. Und überall dort wurde „er“ schon gesichtet.

Das er hier nicht das geeignete Gelände hat- wie ein hiesiges Mitglied einer Jagdgemeinschaft meinte- stimmt nicht. Denn mindestens eines der Wolfsrudel in der Lausitz lebt exakt in meinem Gebiet, dass dem um Rosche herum gleicht. Die Anwohner sehen und hören sie oft in der Nähe ihrer Orte. Im Süden der russischen Enklave Kaliningrad leben sogar recht große Wolfsrudel in offener Landschaft mit vielen (kleinen) Orten.

Wölfe brauchen also nicht zwingend ausschließlich bewaldetes oder gar menschenarmes Gebiet. Sondern lediglich das Akzept der Menschen zu ihrer Anwesenheit. Eine Gefahr für uns stellen sie nicht dar- Wildschweine sind da für uns wesentlich gefährlicher... (und leider auch zahlreicher)!

Unsinnig ist die Aussage das Bayrischzeller Bürgermeisters, mit „wir sind ja eine Kulturlandschaft und kein Wildzoo.“ Diese Aussage kann man schon als „wolfsfeindlich“ einstufen. Denn das Gebiet südlich von Bayrischzell ist Hochgebirgsland (Mangfallgebirge), dass über riesige Entfernungen nahezu unbewohnt ist. Wir sind dort schon oft gewesen, weil wir dort die Natur genießen wollten. Und -wie wir- kommen dort wohl auch die meisten anderen Gäste aus diesem Grund dorthin. Der Wolf dort ist für die Touristenbetriebe eine zusätzliche Werbung. Wie das auch für die Lausitz der Fall ist.

Offenbar besser „die Zeichen der Zeit erkannt“ hat da der Harzraum- der ja auch schon sehr erfolgreich u.a. die Luchse in seinem Gebiet wieder integriert hat. Und damit eine zusätzliche touristische (allerdings praktisch immer unsichtbare) Attraktionen geschaffen hat. Die „Wolftagung“ am kommenden Freitag ist genau der richtige Weg. Zu lange wurde der Wolf durch einseitige Sicht und Darstellung als für den Mensch gefährlicher Räuber dargestellt. Hier kann- und muss- durch offene Information aufgeklärt werden. Das macht man dort. Und in mehreren neuen Bundesländern geradezu vorbildlich.

Das der Wolf früher im Harz ausgerottet wurde, muss man aus der Situation der Menschen damals verstehen. Sie waren auf die wenigen Schafe, Ziegen, Gänse etc. dringend zum Überleben angewiesen. Möglichkeiten, Wölfe abzuwehren, hatten sie damals kaum. Heute laufen diese Beutetiere frei lebender Wölfe kaum noch unbeaufsichtigt und ungeschützt durch die Lande. Und mit Elektrozäunen und „Flatterbändern“ ist immer ein relativ guter Schutz von kleinen Tiergruppen möglich. Für große Herden können sog. „Herdenschutzhunde“ für fast 100%igen Schutz sorgen. Das kann man in der Lausitz live beobachten, wo große Schafherden inmitten des Wolfsgebietes nur durch Elektrozaun und Herdenschutzhund geschützt gehalten werden. Solche Lösungen lassen sich- bei gutem Willen- sicherlich auch für das Mangfallgebirge schaffen. Man müsste nur „wollen“ wollen.

Übrigens: Die Angst hiesiger Jagdpächter vor Verlusten durch Wolfsrisse ist weitestgehend unangebracht. Es ist mittlerweile erwiesen, dass die Wildbestände hierzulande durch Wölfe nicht dezimiert, sondern- im Gegenteil- stärker und gesünder werden. Allerdings wird die Jagd- mit Ausnahme auf Schwarzwild- etwas schwieriger, weil die Beutetiere der Wölfe durch die neue Gefahr aufmerksamer werden. Aber einem Naturfreund- als den sich Jäger ja sehen- dürfte das keine Sorge bereiten.

Und: Wir haben schon so viele Tierarten ausgerottet. Da sollten wie den wenigen, die wir noch haben, das Überleben zumindestens nicht erschweren oder unmöglich machen.

Für die bisher gute und ausgewogene Berichterstattung der AZ bedanke ich mich hier ganz herzlich!

Norbert Blazytko

Rosche

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