Die Augen nicht vor Quälereien verschließen

Legehennen auf dem Bauckhof in Klein Süstedt. Foto: dpa

Leserbrief zu „Mastgegner machen mobil“, AZ 17. November:.

In den letzten Wochen und Monaten wurde in unserem Landkreis intensiv über das Für und Wider von Großmast- und Großschlachtanlagen diskutiert. Die Befürworter führten wirtschaftliche Gründe ins Feld, die letztlich auch für die Genehmigung ausschlaggebend waren. Die meisten Gegner befürchteten Gesundheitsschäden und Beeinträchtigungen für den Menschen. Diese Stimmen haben mich nachdenklich gemacht und mich bewogen, darüber nachzudenken, was diese Art der Tierhaltung eigentlich für die Stalltiere bedeutet.

Die erste Frage, die sich für mich dabei ergab, war: Weiß ich eigentlich, woher das Fleisch kommt, das ich esse? Ich musste mir eingestehen, dass ich nicht genau wußte, wie heutzutage die Tiere gehalten und getötet werden, und ich musste auch feststellen, dass ich es, wie die meisten Menschen auch, gar nicht so genau wissen wollte.

In den letzten Jahrzehnten sind unzählige Berichte veröffentlicht worden, welche die Qualen und Grausamkeiten beschreiben, die den Tieren in den Mastanlagen, in den Schlachthöfen, auf den Tiertransporten und nicht zuletzt in den Versuchslabors zugefügt werden. Die Tierquälereien sind kein Geheimnis. Aber wie fast alle hatte ich diesen unangenehmen und peinlichen Problemkreis einfach verdrängt. So konnte ich auch, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben, Fleisch und Wurst genießen. Hier bestätigt sich die Tatsache, dass die langjährige Kenntnis von Missständen den Menschen abstumpft.

Ich glaube, dass wir uns als denkende und fühlende Menschen fragen müssen, mit welchem Recht wir das alles unseren Mitgeschöpfen antun beziehungsweise antun lassen. Einfach nicht hören und es nicht wissen wollen, ändert nichts an unserer Mitverantwortung. Wir alle wissen, was geschieht, und wenn wir es einfach so hinnehmen, dann sind wir mit schuldig.

Franz Naber,

Uelzen

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