„Aufklärung tut not“

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Das Phänomen der so genannten Grusel-Clowns, ob sie nun irgendwo aufgetaucht sind oder nicht, besorgt weiter die Menschen. Foto: Archiv

Uelzen. Zur Berichterstattung „Clowns waren ein Streich“ (AZ vom 29. Oktober) schreibt Norman Holmes aus Uelzen:.

Herr Kahl bemüht sich um eine Richtigstellung seiner Berichterstattung über das Phänomen der sogenannten Grusel-Clowns in Uelzen, insbesondere in der Umgebung der Hermann-Löns-Schule. Das ist löblich. Aufklärung tut not. Wenn diese Clowns bewusst und provokant mit menschlichen Ängsten spielen, ist es natürlich, dass ihre Aktionen besonders bei Kindern auf fruchtbaren Boden fallen. Das bedeutet, dass deren Ängste so geschürt werden, dass ein selbstreflektierter Umgang damit schwerfällt.

In der Tat unterstützen die Medien die Verbreitung dieser Furcht, beispielweise die Kindernachrichtensendung „Logo“ des KiKa vom 20. Oktober, die allerdings in aufklärerischer Absicht nur auf die massenhafte Verbreitung vermeintlicher Drohbriefe, die als Kettennachrichten auch die Handys Jugendlicher erreichen, reagierte. Folge: Trittbrettfahrer und verängstigte Kinder. In der AZ vom 25. Oktober gab es auch einen diesbezüglichen Artikel, der die Leserschaft aufrief, nicht jeder Panikmache Glauben zu schenken. Schade, dass die AZ sich diesen Appell nicht selbst zu Herzen genommen hat! Wenn in derselben Ausgabe ein weiterer Artikel erscheint, ist die Botschaft offenbar in der Redaktion noch nicht angekommen. Schnell werden besorgte Elternanrufe als Anlass genommen, das zu verbreiten, was der Auflage dienen könnte: Furcht. Auch wenn eine Elternvertreterin die Angelegenheit einzuordnen versucht, ist ein Buhmann gefunden: die Hermann-Löns-Schule.

Am 29. Oktober ein weiterer Artikel in der AZ: „Clowns waren ein Streich“. Offenkundig hat es eine Rücksprache mit der Schulleitung der Hermann-Löns-Schule gegeben, mit dem Ergebnis, dass der AZ-Leserschaft nun ein anderer Buhmann präsentiert wird: Es sind drei Schüler, die alles „erstunken und erlogen“ hätten, alles sei ein „Dumme-Jungen-Streich“.

Eine böse Absicht den Kindern zu unterstellen, wie es der Artikel tut, heißt, den kindlichen Umgang mit Ängsten nicht zu verstehen. Diese Berichterstattung hat zur Folge gehabt, dass wir eine zu Recht verärgerte Schulleitung haben, besorgte Eltern und zudem, durch die Nennung ihrer Klasse, stigmatisierte Kinder. Danke, Herr Kahl! Und gut, dass Sie Ihre eigene Berichterstattung kommentieren („Clowns und Grenzen“, 29. Oktober), indem sie die mediale Verbreitung der Ängste verurteilen und hoffen, „dass sich das Phänomen ‚Horror-Clowns‘ demnächst erledigt“, vor allem für die Kinder. Ist das Realsatire? Wo doch die AZ in der Art der Berichterstattung, auch über andere Clowns-Vorfälle in der Region, eben solche Ängste verbreiten half.

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