Leserbriefe

Auch der Biber ist bedroht

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Vom Wolf gerissener Mufflon-Widder: Die Zahl der Tiere hat sich auf einen Bruchteil reduziert, bald werden sie in Nord- und Ostdeutschland womöglich ganz ausgestorben sein.

Der Beitrag „Das schnelle Sterben der Mufflons (AZ v. 12. Oktober) und die Lesermeinungen dazu sorgen weiter für Gesprächsstoff. So schreibt Anja Meyer aus Schmölau:

Als Grüne besteht bei mir der Anfangsverdacht der Wolfs-Freundschaft. Ja ich freue mich tatsächlich darüber, dass der Wolf zurückgekehrt ist. So wie ich mich über jedes Tier freue, welches sich Lebensraum zurückerobert; dies geschieht schließlich selten genug.

Den Umgang jedoch den wir hier zu Lande mit dem Wolf pflegen, finde ich naiv: Den Wolf nicht zu bejagen, halte ich langfristig für problematisch. Er muss nicht zwangsläufig ins Jagdrecht aufgenommen werden, aber es sollte zumindest Wolfsbeauftragte mit Jagdschein geben, mit dem Auftrag Wölfe zu „belehren“ und dies notfalls auch mit scharfer Munition.

Der Wiederansiedlung der Wölfe würde das nicht im Geringsten schaden, aber dem verträglichen Zusammenleben von Mensch und Wolf sehr nützen.

Vielleicht hätte man gar die Mufflons der Göhrde mit intensiver Verschreckung des Wolfes beispielsweise durch Böller- und Schrottlärm schützen können, aber nun bin ich vielleicht die Naive, denn einfache Lösungen gibt es hier sicher nicht. Die Ausrottung unserer Wildschafe bleibt aber nicht hinnehmbar.

Zum selben Thema merkt Michael Beyer aus Rosche an:

Ein geplanter Genozid mit Beifall von vielen Seiten. Es werden künftig auch noch andere Wildarten vom Wolf ausgerottet, zum Beispiel der Biber. Wenn auch noch Stimmen laut werden, dass die Mufflons hier ja nicht heimisch sind, schlägt das dem Fass den Boden aus. Mit welchem Maß wird hier gemessen....

Und Farina Graßmann aus Velbert meint:

Den Wald zum Zoo gemacht; In seinem Leserbrief vom 18. Oktober beklagt Ulrich Merz das Sterben der Mufflons in Deutschland. Der Schuldige ist mit dem Wolf schnell gefunden. Wie könnte es auch anders sein, immerhin landen immer wieder ein Mufflon im Magen eines Wolfes. Doch ist der Wolf deshalb auch schuld an dem Aussterben des Muffelwilds in Deutschland?

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir ein paar Schritte zurückgehen – genauer: zum Beginn des letzten Jahrhunderts. Zu diesem Zeitpunkt wurde das Mufflon in Deutschland durch den Menschen angesiedelt. Der Zweck lag hierbei nicht darin, etwas für den Artenschutz zu tun, sondern er bestand darin, das Mufflon auf der Jagd töten zu können.

Wenn man die Biologie des Mufflons betrachtet, fällt jedoch schnell auf, dass es hier keinen optimalen Lebensraum findet. Mufflons reagieren in ihrer Heimat, die in erster Linie in gebirgigen Gebieten liegt, auf Gefahren, indem sie sich in eben diese Gebiete zurückziehen. Eine Fluchtstrategie, die in der verhältnismäßig flachen Landschaft Deutschlands keine Anwendung finden kann. Das war in den letzten Jahrzehnten kein Problem. Immerhin begegnete das Mufflon hier kaum natürlichen Feinden – wo der Wolf doch vor fast 150 Jahren durch Jäger in Deutschland ausgerottet wurde. Durch die Rückkehr des Wolfs, als natürlichen Feind des Mufflons, wird deutlich, wie wenig unsere Landschaft der Natur des Mufflons entspricht.

Das Aussterben der Mufflons ließe sich nur verhindern, indem man ihre natürlichen Feinde tötet. Doch hier stellt sich zu Recht die Frage, ob wir hier nicht die Natur mit einem Zoo verwechseln. Ist es legitim Tiere zu töten, um eine Art zu schützen, die hier auf natürlichem Wege nicht überleben könnte? Und sollte die Schuld für das Sterben der Mufflons bei dem Wolf gesucht werden oder vielmehr bei den Menschen, die das Mufflon zu Jagdzwecken in eine, zum Überleben ungeeignete Umgebung, aussetzten?

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