Argumente statt Geschwätz

Reaktionen auf den Leserbrief „Geschwätz der Alleswisser“ von Heinz Priebe, AZ vom 25 Mai:.

Der Leserbrief hat mich zornig gemacht. Da bezeichnet ein Besserwisser Menschen, die nicht seiner Meinung sind, in abwertender Weise als „Alleswisser“. Sehr geehrter Herr Priebe, was Sie als Geschwätz bezeichnen, sind schwerwiegende Argumente, die gegen den Bau der A 39 sprechen. Was Sie über die Bedeutung der bestehenden Autobahnen in Deutschland sagen, sind Binsenweisheiten, bei denen niemand widersprechen wird. Daraus zu folgern, wir bräuchten deshalb noch mehr Autobahnen in Deutschland, heißt, Rezepte von gestern anzuwenden. Ihre Behauptung, die „vernagelten Gegner der A 39“ würden nicht zur Kenntnis nehmen, was für den Bau der A 39 spricht, und nicht darüber diskutieren, ist schlichtweg unwahr. Ich würde gern von Ihnen wissen, was in Ihren Augen für den Bau der A 39 spricht. Vermutlich entziehen sie sich einer solchen Diskussion wie all die anderen Befürworter einer Autobahn, weil ihnen belastbare Argumente fehlen. Ich könnte diesen Vorwurf sofort zurücknehmen, wenn Sie mich eines Besseren belehren würden. Für einen solchen Gedankenaustausch würde ich Sie allerdings um höflichere Umgangsformen bitten, als Sie in diesem Brief gezeigt haben.

Uwe Krieg,

Masbrock

Sehr geehrter Herr Priebe, Gegner von Projekten wie der A 39 verbiegen Tatsachen? Oder diskutieren Vorteile von Großprojekten nicht? Ich kann nur feststellen, dass die Gegner sich auf Fakten berufen. Diese muss man nicht verbiegen, es sind ja Fakten.

Einige Beispiele: Das niedrige Nutzen-/Kostenverhältnis (NKV) stellt die A 39 an das Ende der Liste aller Autobahnprojekte in Deutschland. Sie erwarten hoffentlich nicht von Verkehrsminister Ramsauer, dass dieser ein Projekt mit weit höherem volkswirtschaftlichem Nutzen dafür liegen lässt? Sie zahlen doch auch Steuern, und erwarten deren sinnvollen Einsatz.

Oft wird auch der notwendige Ausbau der B4 gefordert. Humbug? Dann lesen sie doch mal die Planungsunterlagen der LStbV, die zum Beispiel für Melbeck auch nach dem Bau der A39 die jetzige Verkehrsmenge prognostizieren. Wäre nicht eine Ortsumfahrung wie in Kirchweyhe notwendig?

Mehrere Professoren (Gather, Pez, um nur zwei zu nennen) bestätigen, dass Autobahnen den erhofften wirtschaftlichen Aufschwung nicht mehr bringen. Weil unser Autobahnnetz bereits das zweitdichteste in Europa ist. Es kommt lediglich zu Verlager-ungen. Sie kennen bestimmt bessere Studien?

Schauen Sie sich mal die Arbeitslosenzahlen für Lüneburg an: Dicht an Hamburg, mit Autobahnanschluss. Und trotzdem dieselbe Menge an arbeitslosen Menschen. Die Arbeitsagentur hat jüngst veröffentlicht, dass in Harburg, Buchholz, Winsen und Lüneburg die Zahl der Erwerbslosen gestiegen sind. In Uelzen und Dannenberg sind diese rückläufig. Ohne Autobahn. Ihrem Brief folgend muss diese Statistik wohl auch falsch sein?

Der Landverbrauch dieser Autobahn, inklusive der Ausgleichsflächen, ist immens. Der weitere Abbau landwirtschaftlicher Flächen ist weder ökologisch noch ökonomisch vertretbar. Zumal ein Landwirt nur mit einem Bruchteil dessen entschädigt wird, was er für den Ankauf von Flächen benötigen würde. Zahlen Sie diesen Unternehmern die Differenz? Oder die späteren Nutzer der A 39? Halten Sie es für sinnvoll, Kartoffeln aus Osteuropa (per LKW auf Autobahnen) zu importieren, anstatt sie hier anzubauen? Logistik und Transport lassen sich nicht vermeiden. Aber optimieren. Deutschland hat viel zu lange nur auf Straßen gesetzt. Wasser- und Schienenwege sind ökologisch sinnvoller und lassen sich effizienter nutzen.

Wir laden übrigens oft Politiker zu ergebnisoffenen Diskussionen ein. Absagen bekommen wir meist nur von denen, die nicht müde werden, die A 39 zu fordern. Eine Bad Bodenteicher Lokalgröße antwortet nicht einmal. Es fehlen wohl die Argumente.

Matthias Sost,

Hohnstorf

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