Angst vor findigen Berufseltern

Ralf Siebert aus Uelzen meint zum Leserbrief von Rolf Tischer, der das Schulhofverbot während der Sonnenfinsternis kritisiert hatte (AZ, 25. März 2015):

Ich muss Herrn Tischer zustimmen: Es ist wirklich traurig, wenn sich Schüler nicht dieses einmalige Naturerlebnis anschauen dürfen, weil sie vielleicht zu lange ungeschützt in die Sonne sehen. Eigentlich sollten die Schüler das wissen und selbst entscheiden.

Eigentlich. Denn in Zeiten, in denen überengagierte Eltern schon mit dem Anwalt drohen, wenn Sohnemann oder Töchterchen für eine Hausarbeit nur eine 4 statt einer 2 bekommen hat, möchte ich nicht wissen, was los ist, wenn der Spross nach Hause kommt und davon berichtet, wie sie/er mit einem selbstgebastelten(!) Schutz die Sonnenfinsternis beobachtet hat. Nein, da möchte ich ganz gewiss nicht in der Haut der betroffenen Lehrer stecken. Eine Anzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung ist da das Mindeste, was sich findige Berufseltern einfallen lassen würden.

Ich glaube nicht, dass das Schulhofverbot zum Schutz der Kinder ergangen ist – die sind meist selbst schlau genug, den Blick von der Sonne abzuwenden, wenn es in den Augen schmerzt. Nein, ich denke, dass es eher ein Schutz der Lehrer vor amoklaufenden Eltern war, die Angst davor, vor lauter Beschwerden, Anzeigen und Klagen nicht mehr dazu zu kommen, den Kindern das beizubringen, was sie eigentlich von den Eltern lernen sollten: Eigenverantwortung, Verhältnismäßigkeit und Ruhe bewahren.

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