Alpha-Variante ein Pyrrhussieg

Wirtschaftsminister Olaf Lies beim Abschlusstermin des Dialogforums.
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Wirtschaftsminister Olaf Lies beim Abschlusstermin des Dialogforums.

Zum Beitrag „Keine neuen Trassen“ (AZ v. 6. November) schreibt Borvin Wulf aus Suderburg:

Dass der von der Mehrheit des Dialogforums beschlossene Aus- und Erweiterungsbau des bestehenden Gleisnetzes ein Übel ist, kann man bereits im ersten Satz des Kommentars von Norman Reuter nachlesen, auch wenn er das mit einem Fragezeichen versieht. Im Kommentar spricht er sogar von „starken Bauchschmerzen“, die „ein Großteil der BI’s und der Politiker“ gegenüber der Alpha-Lösung haben, wobei Herr Reuter die AZ-Leser über die Gründe der „Bauchschmerzen“ leider im Unklaren lässt.

Eine grundsätzliche Infragestellung der von interessierter Seite behaupteten exorbitanten Zuwachsraten an Gütern bis 2030 ging’s weder bei Norman Reuter, noch gab es sie seitens des Dialogforums. Alle sind sie im Neoliberalismus gefangen. Das Verursacherprinzip für die angebliche Notwendigkeit des Ausbaus wurde völlig ausgeblendet. Man verließ sich auf die Prognose-Prozentzahlen der Gutachter, obgleich die ihre „Erkenntnisse“ nicht näher begründeten.

Wie valide die von den norddeutschen Seehäfen behaupteten Güterkapazitätszahlen bis 2030 sind, wurde nicht hinterfragt. Auf das eigentlich ursächliche Problem, warum sehr viele Bürger, technokratische Fachleute und kapitalismus-systemverliebte Politiker meinen, wir bräuchten immer mehr Autobahnen und/oder Schienentrassen, will ich hier nicht näher eingehen, weil sich mit den gesellschaftspolitischen Implikationen auseinanderzusetzen das „Dialogforum Schiene Nord“ überfordert hätte.

Nur so viel: Das ursächliche Problem liegt in der Tatsache begründet, dass wir in einer Konsum-, Vergeudungs- und Wegwerfgesellschaft leben und in einer Wirtschaft, die Länder und Völker insbesondere im Trikont, aber auch in der europäischen Peripherie, systematisch ausbeutet und ausplündert und die Schere zwischen Arm und Reich noch größer wird, damit es uns Wohlhabenden noch besser geht. Deutschland soll nach wie vor seinen Platz an der Sonne behalten – und ausbauen. Neubautrassen oder Erweiterungen von Bestandstrassen sind dafür lediglich der sprichwörtliche Bettvorleger oder der „Rote Teppich“, der vor ökonomischem Wachstum und immer mehr besitzen zu wollen, ausgerollt wird.

Im Übrigen errangen die Alphastraßen-Befürworter nur einen Pyrrhussieg, bleibt doch – wie Norman Reuter richtig schreibt – völlig offen, ob die Neubautrassen-Befürworter in ein paar Jahren nicht eine angebliche Notwendigkeit einer naturzerstörerischen Neubautrasse, z. B. parallel zur A 7, nachschieben.

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