Der Albtraum vom Fliegen

Zum Beitrag „Flugtag bei Kaiserwetter" (AZ vom 6. Mai) schreibt Marcus Runge, Verkehrspilot a. D. , aus Uelzen:

In den Presseberichten zum Flugtag in Barnsen sieht man lachende, fröhliche Gesichter von Kindern mit Daumen hoch, begeistert vom „Traum“ vom Fliegen. Garniert mit spektakulären, visionären Formulierungen der Redaktion. Da die Redaktion es versäumt hat auch die dunklen Seiten zu beleuchten, werde ich diesen Auftrag hier übernehmen. Wer privat fliegen will, der muss Geld, Zeit und vor allem Status oder exzellente Rhetorik haben.

Der Flugsportverein Cumulus rechtfertigt seine hohen Aufnahmegebühren mit der Mitgliederfluktuationsminderung, 1452 Euro sind im ersten Jahr sofort fällig. Ich gehe eher davon aus, dass man nur eine bestimmte Klientel rekrutieren möchte. Wenn man aus welchen Gründen auch immer nur schwer in die Vereinskultur integrierbar ist, wird einem das über verschiedene Gesten und Aufmerksamkeiten deutlich gemacht. Der Verein fordert außerdem eine nicht unerhebliche Menge an Arbeitsstunden, von denen sich die Betuchten freikaufen können und die Hauptlast auf die „Ärmeren“ umgelegt wird. Der Betrieb erfordert Arbeitsstunden, daran besteht kein Zweifel. In die Berechnung der Pflichtarbeitsstunden fließt auf jeden Fall die zu erwartende Menge der freigekauften Stunden ein. Das bedeutet, dass je mehr sich freikaufen, umso mehr müssen die arbeiten, die sich nicht freikaufen können.

Wer glaubt, er sei als Segelflieger den ganzen Tag in der Luft, der irrt – er wird an der Luft sein. Es wird ganztägige Anwesenheit erwartet bei 3x5min fliegen im günstigen Fall. So ein Segelflugzeug benötigt halt sehr viel Personal um in die Luft zu kommen. Die private Fliegerei fordert kontinuierlich sehr viel Zeit und Geld ein.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare