Bei IGS Äpfel mit Birnen verglichen

Zum Artikel „Die Nachteile der IGS (AZ v. 22. Oktober)

Grundsätzlich halte ich die Idee für gut, alle Betroffenen und Beteiligten zum Thema „IGS in Uelzen“ zu befragen. Es war mir aber schon vor dem Lesen des heutigen Artikels klar, dass ein Schulleiter eines Gymnasiums natürlich zunächst nicht viel von einer möglichen „Konkurrenzschule“ hält. Soviel zur Einordnung dieser Wortmeldung. Als betroffenes Elternteil wünsche ich mir jedoch ein Mehr an sachlicher Information als solches „Bange machen“.

Die genannten Zahlen aus Nordrhein-Westfalen sind für mich nicht das ausschlaggebende Kriterium. Vielmehr geht es doch um das Konzept der jeweiligen Schulform. Hierzu erhalte ich als Leser keine weiteren Informationen zum Stand in NRW. Man kann doch wohl nicht davon ausgehen, dass diese Schulform so wie sie dort existiert, hier 1:1 übernommen werden soll. Mich ärgert es, dass Eltern dadurch verunsichert werden sollen. So soll die Diskussion im Grunde im Keim erstickt werden. Ich möchte aber nicht, dass bei diesen wichtigen Fragen zur Zukunft unserer Schulstruktur Äpfel mit Birnen verglichen werden, nur um sich wieder etwas mehr „Luft“ zu verschaffen.

Anstatt nach NRW zu schauen, sollten wir lieber auf bestehende und sehr erfolgreich arbeitende IGS-Modelle in Niedersachsen schauen. Ein sehr gutes Beispiel hierfür ist die IGS-Göttingen. Der Schulleiter dieser Schule, die seit 30 (!!) Jahren erfolgreich mit einem speziellen Konzept (das sich stark von anderen Konzepten unterscheidet) arbeitet, hat im letzten Jahr während einer Informationsveranstaltung über sein Konzept berichtet (vielleicht kann die AZ hier nochmal in ihrem Archiv suchen).

Diese Schule arbeitet in vielen für mich wichtigen Punkten anders als andere IGS. So gibt es z.B. feste „Tischgruppen“, in denen gearbeitet wird. Jede Klasse hat zwei Klassenlehrer, es arbeiten immer schwächere und stärkere Schüler zusammen. Es gibt regelmäßige Treffen mit Eltern und Schüler, um den Stand der einzelnen Tischgruppe zu besprechen. Am eindrucksvollsten für mich war jedoch die Aussage, dass ein nicht unerheblicher Teil der Schüler, die mit einer Hauptschulempfehlung in die Schule gekommen waren, diese mit dem Abitur wieder verließen!!! Die Schule sorgt durch eigene Fortbildungsprogramme selbst für den nötigen Lehrernachwuchs. Sie kann aufgrund des hohen Andrangs längst nicht alle Schüler aufnehmen.

Niedersächsische Schulen können sich beispielsweise die beschriebenen Defizite der einzelnen Jahrgangsstufen gar nicht leisten, da unsere Schüler ja eine Abschlussprüfung machen müssen.

Also bitte Vorsicht beim Zerreden dieses kleinen aufkeimenden „Pflänzchen“ IGS für Uelzen. Ich wünsche mir, dass endlich mal eine inhaltliche Diskussion über diese Schulform geführt wird und Experten herangezogen werden, die wirkliche, sachlich fundierte, konzeptionell ausgereifte Informationen den Beteiligten an die Hand geben, damit die Sache mal in Gang kommt. Was nützt es, wenn man diesbezüglich nur festgefahrene Meinungen von Politikern und „Konkurrenzunternehmern“ heranzieht. Die IGS darf aber auch kein „Schnellschussunternehmen“ werden. Das inhaltliche Konzept muss stehen, das künftige Personal muss mit Feuereifer dabei sein, die Politik muss die Rahmenbedingungen schaffen, dann braucht sich eine IGS keine Sorgen um fehlende „Kundschaft“ zu machen!

Meike Nitzsche,

Lehmke

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