Abwertungen nicht dulden

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AZ-Leser Wolfgang Schneider macht sich zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum sogenannten Kopftuchverbot seien Gedanken.

Wolfgang Schneider aus Holdenstedt schreibt zum Urteil des  Bundesverfassungsgerichts (BVG) in Sachen Kopftuchverbot:

Dieser Tage hat das „Kopftuchurteil“ des BVG für viel Diskussionsstoff gesorgt, und jeder muss sicher selbst entscheiden, wie er es bewertet. Im Namen der „Religionsfreiheit“ werden gerade momentan Taten begangen, die wir ablehnen.

Im Namen der Religion geschehen auch bei uns in Deutschland permanent Dinge, die mehr als fragwürdig oder sogar schlicht Straftaten sind. Geschiedenen Menschen wird die Beichte verweigert, es finden Genitalverstümmelungen und Zwangsverheiratungen statt, Anwenden physischer Gewalt (gegenüber der eigenen Frau und den Kindern) wird als legitim erachtet, Tiere werden geschächtet. Wie weit wollen wir also das Recht auf „freie“ Religionsausübung fassen?

Sicher gibt es streng gläubige Muslimas, die aus eigener Überzeugung ein Kopftuch tragen möchten, aber auch im Koran gibt es zum Beispiel keine Verpflichtung, kleine Mädchen so auszustatten. Letztere werden damit vielerorts in Kindergarten und Schule benachteiligt und grenzen sich optisch aus, was für ihre soziale und berufliche Zukunft nicht förderlich ist.

Frauenrechtlerinnen unterstellen Muslimen oft frauenfeindliches Agieren und sehen somit die Freiheitsrechte der Frau grundsätzlich beeinträchtigt. Bezüglich dieses Aspekts habe ich bei meinen beruflichen Verpflichtungen im internationalen Umfeld eine Reihe von interessanten Gesprächen mit arabischen und türkischen Frauen führen können.

Gerade europäisch orientierte, gebildete, selbstbewusste Muslimas lehnen rigide, persönlichkeitseinschränkende Festlegungen ab und sehen es als Fortschritt an, wenn Religionen sich weiter entwickeln und von diskriminierenden Festlegungen Abstand nehmen.

Es ist sehr wohl zu kritisieren, wenn eine Religion nicht den Menschen an sich als zu respektierendes Individuum in den Fokus stellt, sondern Rechte und Pflichten zunächst festmacht am Geschlecht. Losgelöst von auch zu bedenkenden Integrationsaspekten – widerspricht dies nicht klar unserem Verständnis von den gleichen Rechten für alle?

Wir haben religiös motivierte Privilegien und Abwertungen wie „Die Frau sei dem Manne untertan“ mühselig überwunden und sollten aufpassen, sie nicht unter dem Mantel falscher „Freiheiten“ wieder zu dulden!

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