Absolute Fehlplanung

Leserbrief zu „Abrisslaune und Nachhaltigkeit“ in Bad Bodenteich:

Ich möchte unter anderem Stellung beziehen zu der Bad Bodenteicher Abrissfreundlichkeit bezüglich historischer Bausubstanz im Ortskern. Ich bin gebürtige Bodenteicherin und muss bedauerlicherweise zusehen, wie der Ort nach und nach sein städtebauliches Gesicht verliert.

Ein Gesicht, dass aus städtebaulicher Sicht wichtig ist, um ein Bindeglied zwischen der historischen Burganlage und dem attraktiven Seepark herzustellen. Ein Ort lebt und wird erlebt durch alte und fachgerecht sanierte Bausubstanz und die Menschen, die sich gern darin und darum aufhalten. Gebäude, die vor 100 Jahren errichtet wurden, sind immer nach dem goldenen Schnitt errichtet worden – Maße, Form und Materialwahl wirken auf den ersten Blick gefällig.

Städte wie Lüneburg, Salzwedel oder Celle vermitteln durch ihre historische Architektur ein „gutes und harmonisches Gefühl“.Sie wirken einladend. In unserer heutigen „Baumarktkultur“ gibt es leider zuviel Möglichkeiten, die es uns schwer machen das richtige Material, die richtige Form und das richtige Maß zu finden.

Gute Konzepte müssen her, um alte Bausubstanz zu retten. Anstelle eines architektonisch beliebigen Netto-Marktes, der im Ortskern von Bad Bodenteich errichtet werden soll, könnte man vielleicht aus den betroffenen Abrissgebäuden eine Betreute Wohnanlage errichten, die durch eine Erschließung im rückwärtigen Bereich alle Gebäude miteinander verbinden könnte.

Ich bin mir sicher, dass das Konzept funktionieren würde, wenn man einen Investor findet, der nicht nur das konventionelle „Schneller-Höher-Weiter-Denken“ verfolgt, sondern in der Nachhaltigkeit die Wirtschaftlichkeit entdeckt! Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass die Sanierung eines historischen Gebäudes nicht teurer sein muss, als ein adäquater Neubau. Ein Netto-Markt, anstelle des historischen Niedersachsenhofs, ist eine absolute Fehlplanung für Bad Bodenteich. Die Parkplatzfläche, die momentan vor dem Lidl- oder Aldi-Discounter vorzufinden ist würde ebenfalls an die Stelle des Niedersachsenhofs treten.

Denn Discounter funktionieren nur mit der nötigen Anzahl an Parkplätzen vor dem Gebäude. Es gibt eine Bedarfsanalyse bezüglich der Einkaufsmöglichkeiten für den Landkreis Uelzen, aus der man herauslesen kann, dass in Bodenteich der Bedarf an Discountern durch Lidl und Aldi mehr als gedeckt ist.

Ich würde mir wünschen, dass im anstehenden B-Plan-Verfahren alles genauestens geprüft wird, bevor der Niedersachsenhof voreilig abgerissen wird. Diese voreiligen Abrisse sind in Bodenteich leider schon zu häufig passiert. Ich nenne da nur die alte Schule in der Schulstraße, die Fachwerkgebäude an der Bergstraße, das Gasthaus „Zur alten Post“ und nicht zuletzt mein Lieblingshaus im Winkel 1! Ich würde mir wünschen, dass die Menschen in unseren Gemeinden wieder mehr hingucken und nachhaltiger werden.

Nachhaltigkeit in Bezug auf Gebäudeerhaltung mit sinnvollen Konzepten und keinen Heimtierkrematorien (Emern), Nachhaltigkeit bezüglich des Umgangs mit unserer Natur und Umwelt, die den Bau der A 39 absolut ausschließt und den Ausbau der B4 zulässt. Aber, ich habe ja noch Hoffnung, denn seitens der Debatte um die Atomenergie ist ja nun ganz Deutschland auf einmal „grün“ gesinnt, so dass ich hoffe, dass dieser „grüne nachhaltige Wind“ auch in die konservativen kommunalen Stuben weht. Oder verspreche ich mir da zuviel?

Inga Dittberner

Dipl.-Ing. Architektur Emern

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