AZ-Leserbriefe

„Aber bitte alles friedlich“

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Philipp Burger und seine Band Frei.Wild polarisieren weiter die Uelzener. Morgen tritt die Gruppe in der Jabelmannhalle auf. 

Diese drei Leserbriefe aus Uelzen erreichten die Redaktion zum Frei. Wild-Konzert, das morgen stattfindet:

Die Argumente der Frei.Wild-Unterstützer, wie zum Beispiel jüngst die faktenfreie und peinliche Presseerklärung der hiesigen AfD, machen die Erklärungen und Warnungen des Uelzener Bündnisses ganz besonders notwendig. Frei.Wild ist die Pop-Variante des Ethnopluralismus. Nach Einschätzung von Rechtsextremismus-Experten und Musikwissenschaftlern propagiert die Gruppe das Gebot der ethnischen Reinheit durch Ausgrenzung. Ethnopluralismus ist exakt das Gegenteil von kultureller Vielfalt und deshalb attraktiv für Rechte jeglicher Couleur. Die Band arbeitet mit Themen und Sujets, die für die Szene anschlussfähig sind. In den Texten finden sich aggressiver Nationalismus, Verachtung für Andersdenkende, völkisches Gedankengut sowie geschichtsrevisionistische Anspielungen. Eine saufselige Verächtlichkeit gegenüber Frauen rundet alles ab. Andreas Speit, Autor zahlreicher Bücher zum Thema Rechtsrock, Rechtsextremismus und Inhaber des „Grimme Online Award“, ist der Meinung, dass „die Band klassische Rechtsrock-Themen besetzt und diese dadurch massentauglich macht“. Thorsten Hinrichs, Musikwissenschaftler der Universität in Mainz, analysiert die Texte mit „einer Blut- und Boden-Mentalität“ und verortet die Gruppe „mindestens im rechtspopulistischen Lager“. Kritik wird von der Band zurückgewiesen. Die Gruppe entblödet sich aber nicht, die Kritik, der sie ausgesetzt ist, mit der Judenverfolgung während der Nazizeit gleichzusetzen. Sie segelt weiter im Bugwasser der rechten Szene, um auch dort Platten zu verkaufen. Wie wäre wohl sonst eine aktuelle Produktion zu erklären, in der Textfragmente aus der Goebbels‘schen Sportpalastrede von 1943 benutzt werden? Die Kritik an der Band und dem Konzert ist deshalb auch keine Zensur oder Meinungsdiktat, sondern dringend notwendig.

Joachim Meyer, Uelzen

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Ich kenne weder die Gruppe Frei.Wild noch das Uelzener Bündnis für Demokratie und Toleranz. Und ich habe auch nicht vor, in das Konzert zu gehen, zumal ich nichts für Hardrock übrig habe. Allerdings finde ich es schon einigermaßen befremdlich, wenn ein Bündnis, das sich die Toleranz auf seine Fahnen geschrieben hat, sich derart vehement für die Verhinderung einer Musikveranstaltung einsetzt. Nun mag es sein, wie es in der AZ zu lesen war, dass die Gruppe eher konservativ bis völkisch einzuordnen ist, dennoch sehe ich einen krassen Widerspruch in den Zielen des Bündnisses. Toleranz heißt in meinen Augen Toleranz – das sollte dann auch in beide Richtungen gelten und nicht nur in die Richtung, die einem besser passt.

Eckart Warnecke, Uelzen

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Nun findet also ein Konzert der Band Frei.Wild in der Jabelmannhalle statt. Das Uelzener Bündnis für Demokratie und Toleranz ruft zu einem Protestmarsch dagegen auf – so weit, so gut. Alles, was manchen nicht in den Kram passt, wird gleich als „rechts“ hingestellt, denn das sogenannte ,,Rechts“ ist ja das Übel überhaupt. Ich finde es schon sehr befremdlich, wie hier mit einer Band und dem Hallen-Vermieter umgegangen wird ... Die Band Frei.Wild hat einen Echo bekommen, daraufhin hat kein anderer Künstler ... seine Preise zurückgegeben, auch steht die Band Frei.Wild nicht auf dem Index oder sonstiges ... Ich finde es befremdlich, dass bei solchen Bands so polarisiert wird, über 1000 Fans nur an diesem Tag sind anderer Meinung und ich glaube kaum, dass dies alles „rechte Glatzenträger“ oder gut gekleidete Faschisten sind. Mir fehlt auch eindeutig eine Abgrenzung, denn wer sagt, dass „rechts“ nicht gut ist, der muss auch sagen, dass „links“ nicht gut ist ... Wenn mit den Liedern von Frei.Wild etwas nicht in Ordnung wäre, wären sie auf dem Index und die Band wäre verboten ... Demonstrieren ist ein Bürgerrecht, das von allen wahrgenommen werden darf und sollte und auch muss. Verschiedene Meinungen und Diskussionen – ja bitte, aber alles friedlich.

Stefan Kruschel, Uelzen

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Leserbriefe geben die Meinung des Verfassers wieder. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

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