IK-Leserbrief

„Wollen wir die Büchse der Pandora öffnen?

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(Symbolbild)

Konstanze Steiniger aus Rade äußert sich zur Nitrat-Debatte:

Liebe Wittinger Eltern, Großeltern, Geschwister, Tanten und Onkel: „Künftige Generationen haben auch ein Recht auf Zukunft“ – Zitat einer Schüleraktivistin im Rahmen der „Fridays for Future“.

Wir mögen alle die verschiedensten (politischen) Überzeugungen haben, aber eines haben wir – so hoffe ich – gemeinsam: Kinder, die wir lieben und denen wir eine glückliche Zukunft ermöglichen wollen. Doch was gehört für uns zum Glücklichsein dazu? Die Geister scheiden sich bei dieser Frage sicherlich gewaltig, für mich hängt Glück jedoch mit etwas zusammen, das mein Vater immer sagt: „Das Wichtigste im Leben ist, dass die Menschen, die man liebt, gesund sind.“

Der Weltklimarat hat es uns wieder in unsere Bücher geschrieben. Wir können nicht mehr so weiter wirtschaften wie bisher. Wenn wir unser Handeln und Tun nicht überdenken, zerstören wir unwiederbringlich die Ressourcen, von denen wir, vor allem aber unsere Kinder und Kindeskinder, abhängig sind, beziehungsweise abhängig sein werden.

In Wittingen muss der Stadtrat in Kürze entscheiden, ob in Darrigsdorf ein Gewerbegebiet entstehen darf, in dem ein Landwirt dann künftig 100.000 Hähnchen im Jahr produzieren kann. Der Stadtrat entscheidet darüber, ob wir in Wittingen es zulassen, dass dort tausende Tonnen Gülle produziert werden dürfen, die dann, über den Umweg über eine Biogasanlage, auf den Äckern landet. Wenn dieser eine Landwirt das „Okay“ bekommt, können künftige Anträge nicht mehr plausibel abgewiesen werden. Die Folgen können wir uns denken: exorbitante Nitratwerte, Antibiotikaverseuchung im Wasser und Tierleid sind hier nur einige Schlagworte.

Für manch einen mag es so scheinen, als handele es sich bei dieser Sache um ein klassisches Dilemma: „Soll ich die wirtschaftliche Profitabilität der einen Gruppe verhindern, um die Interessen der anderen zu vertreten?“ Meine Meinung ist, dass es sich hierbei um eine Entscheidung handelt, die die Gesundheit und Zukunft aller Wittinger – besonders derer, die noch keine Stimme haben – betrifft, und somit das Allgemeinwohl. Wollen wir die Büchse der Pandora öffnen und Zukunft und Glück unserer Kinder gefährden, oder wollen wir ein Zeichen setzen und zeigen, dass es auch anders geht?

Die vor zwei Jahren gewählten Kommunalpolitiker entscheiden letztlich darüber, dennoch können wir alle einen Teil dazu beitragen, indem wir signalisieren, dass uns das Wohl aller – ob groß, klein, Mensch oder Tier – am Herzen liegt. Ich finde, Leserbriefe und die Anwesenheit bei der Stadtratssitzung sind eine gute Möglichkeit dafür.

Konstanze Steiniger, Rade

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Leserbriefe geben die Meinung des unterzeichnenden Verfassers wieder. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

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