IK-Leserbrief

„Freud und Leid bestimmen den 9. November“

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Der Fall der Berliner Mauer jährt sich am morgigen Samstag (9. November) zum 30. Mal.

Wolfgang Banse aus Wittingen macht sich seine Gedanken zum 9. November:

Novemberrevolution, Hitlerputsch, Reichspogromnacht, Fall der Mauer, dies beinhaltet der 9. November in Deutschland.

An diesem 9. November 2019 jährt ich zum 30. Mal der Fall der Mauer, der innerdeutschen Grenze, die Deutschland trennte. Ein Grund, dies pompös zu begehen. Partystimmung und Feierlaune sind angesagt. Auch hier im Isenhagener Land vollzog sich die innerdeutsche Grenze. Menschen in den neuen Bundesländern fühlen sich als Menschen zweiter Klasse. Sie fühlen sich nicht Menschen in den alten Bundesländern gleichberechtigt. In diesen 30 Jahren ist viel erreicht worden. Trotzdem kann man immer noch nicht von blühenden Landschaften in den neuen Bundesländern sprechen. Die Erwerbslosigkeit ist immer noch in den neuen höher angesiedelt als in den alten Bundesländern. Fachkräftemangel macht sich bemerkbar. Wichtige Positionen werden immer noch mit Menschen aus den alten Bundesländern besetzt. Bundeskanzlerin Angela Merkel ist das Aushängeschild des Ostens.

Der 9. November beinhaltet aber auch den 9. November 1938. Der 9. November 1938 gehört zu den traurigsten Kapiteln der deutschen Geschichte. Synagogen brannten, jüdische Geschäfte wurden geplündert, Menschen kamen an Leib und Leben zu Schaden.

Der 9. November geht in den angesetzten Feierlichkeiten unter. Jüdisches Leben ist nach wie vor noch nicht zur Normalität geworden. Der Anschlag in Halle auf die jüdische Synagoge belegt dies. Judenfeindlichkeit, Antisemitismus ist auch im Jahr 2019 vorhanden. Bedenklich ist es, dass jeder vierte Deutsche keinen jüdischen Nachbarn neben sich als Nachbarn wünscht. Lichterketten, Menschenketten, Mahnwachen reichen nicht aus, wenn Unbegreifliches, wie es in Halle geschah, initialisiert werde. „Dies ist nicht mein Land“, so die jüdische Autorin Lea Fleischmann in ihrem Buch. Was wäre Deutschland ohne das Judentum, was Geisteswissenschaften, Kultur anbetrifft? Zu lange gab es die Love-Politik. Die Order Politik sollte zum Tragen kommen im Bezug auf Juden-, Behinderten- und Fremdenfeindlichkeit. Der Aufstand der Anständigen im demokratischen Staat Deutschland sollte zum Tragen kommen. Wir sind ein Volk, dazu gehören auch Menschen jüdischen Glaubens, Menschen mit einem Handicap, Asylsuchende.

Wolfgang Banse, Wittingen

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Leserbriefe geben die Meinung des unterzeichnenden Verfassers wieder. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

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