IK-Leserbrief

„Wir wollen keine Großmastanlage“

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Gab es um die Jahrtausendwende noch 4.000 Tiere in Mastanlagen, sind es heute im Schnitt 30.000. In Ohrdorf wird sogar eine Hähnchenmastanlage mit derzeit 159.000 Tierplätzen betrieben.

Uschi Schüller und Michael Kern aus Knesebeck und Wittingen sind gegen Großmastanlagen:

Seit einigen Wochen wird im Nordkreis die Erweiterung von Hähnchenmastanlagen im Stadtgebiet diskutiert. Was den Menschen wichtig ist und ihnen Sorgen bereitet, ist bei der Europawahl sehr deutlich geworden und selbst bei der Sitzung des Gifhorner Kreistages wurde durch Blockaden auf den Unmut der Bürger aufmerksam gemacht. Wie kann das die Wittinger Stadtpolitik ignorieren?

Aus landwirtschaftlichen Betrieben sollen Industriebetriebe entstehen. Dies würde bedeuten, dass in einigen Bereichen unseres Stadtgebiets künftig industrielle Großmastanlagen gebaut werden dürfen. Wir alle müssen uns jetzt fragen, ob wir diese Entwicklung zulassen wollen.

Es geht jetzt hier nicht mehr darum, die Landwirtschaft per se in ihrer zukunftsorientierten Entwicklung zu bremsen, bei uns geht es lediglich um einen oder zwei Betriebe, die sich erweitern und vergrößern möchten – den Preis in diesem Fall werden wir hingegen alle zahlen müssen!

In Niedersachsen wird an fast der Hälfte aller Grundwassermessstellen der zulässige Nitratgehalt von 50 Milligramm pro Liter überschritten. Diese Grundwasserkörper sind gemäß der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie damit in einem schlechten Zustand. Bereits jetzt zeigen Grundwassermessungen in Radenbeck, Boitzenhagen und Ohrdorf besorgniserregende Belastungen. Die Kosten, um die erhöhten Nitratwerte zu kompensieren, würden bis zu 45 Prozent finanziellen Mehraufwand bedeuten, den wir alle bezahlen müssen.

Auch Antibiotika und multiresistente Keime aus der Massentierhaltung gelangen trotz Biogasanlagen über Gülle in die Umwelt. Multiresistente Keime werden in Niedersachsen bereits in natürlichen Oberflächengewässern, wie zum Beispiel Badeseen vorgefunden.

Diese Zustände drohen auch uns in Wittingen. In Ohrdorf wird bereits heute eine Hähnchenmastanlage mit derzeit 159.000 Tierplätzen betrieben. Nach der Erweiterung sollen es insgesamt 285.500 Tierplätze sein! Mit allen negativen Folgen für Grundwasser, Boden und Luft und damit für unsere Gesundheit! Ist die industrielle Tierproduktion in diesem Maße noch zeitgemäß, wenn sogar große Lebensmittelketten auf den Einkauf nachhaltig produzierter Waren setzen?

Uschi Schüller, Michael Kern (Knesebeck und Wittingen)

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