Wegschauen oder Zivilcourage zeigen?

Jens Meyer aus Knesebeck fragt sich, wie er sich verhalten soll, wenn er mitbekommt, dass andere das Gesetz brechen:

Ich habe gesehen, wie ein Nachbarsjunge bei Aldi einen Schokoriegel geklaut hat. Ein andermal bin ich darauf zugekommen, als ein Arbeitskollege auf dem Parkplatz mit seinem Auto ein anderes Fahrzeug beschädigt hat und weggefahren ist ohne sich drum zu kümmern. Und neulich habe ich im Wald gesehen, wie ein Unternehmer seinen Abfall widerrechtlich auf ein privates Grundstück gekippt hat, vermutlich, um die Kosten für eine ordnungsgemäße Entsorgung zu sparen. Wie soll ich mich verhalten wenn ich dabei bin oder sehe, dass jemandem Unrecht angetan wird? Wenn ich feststelle, dass Gesetze gebrochen werden? Soll ich wegschauen und so tun als hätte ich es nicht mitbekommen? Das wäre sicherlich das einfachste – so tun, als sei nichts geschehen. Da kann ich sicher sein, dass ich selbst keinen Ärger bekomme.

Der Junge von nebenan wird mich künftig weiterhin nett grüßen und der Arbeitskollege weiterhin kollegial mit mir zusammen arbeiten. Und der Unternehmer wird mir beim nächsten Auftrag sicherlich auch wieder einen guten Preis machen. Alles bleibt schon kuschelig wie es war.

Aber ist so ein Verhalten richtig? Nein – natürlich ist das nicht richtig! Jeder Einzelne von uns, aber auch wir als Gemeinschaft haben ein Recht zu erfahren, wer uns persönlich oder unserer Gemeinschaft Unrecht zugefügt oder gegen Gesetze verstoßen hat. Wir haben ein Recht darauf, dass Unrecht auch als Unrecht benannt und gegebenenfalls auch bestraft wird. Das sind wichtige Grundsätze für unser geordnetes und sicheres Zusammenleben!

Und wir sollten, nein wir müssen denen Respekt zollen, die eben nicht wegschauen und so tun, als ginge sie das alles nichts an! Schäbig verhalten wir uns, wenn wir die Menschen, die Zivilcourage besessen haben, plötzlich nicht mehr grüßen, sie anfeinden, diffamieren oder auf andere widerliche Art und Weise persönlich angreifen.

Wenn wir so tun, als hätte der Couragierte was Verbotenes oder Unanstandiges getan und nicht der eigentliche Übeltäter, dann läuft in der Tat etwas falsch in unseren Köpfen.

Jens Meyer

Knesebeck

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