IK-Leserbrief

„Vielleicht ist es nicht zu spät“

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Knesebeck: An der Ecke Mittelstraße/Lindenstraße soll nach dem Willen des Ortsrates die neue barrierefreie Bushaltestelle geschaffen werden. „Die Busse müssen aus der Kirchstraße heraus“, findet Bürgermeister Heinz-Ulrich Kabrodt.

Zum Artikel „Halt an Mittelstraße soll es werden“ (IK vom 11. Oktober) erreichte die Redaktion folgende Zuschrift:

Man kann alt werden wie eine Kuh und lernt immer noch dazu? Ich für meinen Teil habe in der letzten Ortsratssitzung als Bürger gelernt, dass nicht die von uns gewählten Kommunalpolitiker die Entscheidungsgewalt über unsere Dorfgestaltung haben, sondern anscheinend ein Zusammenschluss von Dienstleistungsunternehmen, in diesem Fall die Verkehrsgesellschaft Landkreis Gifhorn, kurz VLG. Dies ist ein Bündnis von acht Bus- und zwei Taxiunternehmen, das durch einen von Bürgern direkt oder indirekt gewählten Aufsichtsrat geführt wird.

In der VLG Gifhorn sind dies Landrat Dr. Andreas Ebel (Vorsitzender) sowie die Kreistagsabgeordneten Andreas Kuers (CDU), Horst Schiesgeries (CDU), Ottmar Bartels (SPD), Klaus Rautenbach (Grüne) und Dr. Stefan Armbrecht (Unabh./FDP).

Nun frage ich mich, warum es bei so vielen gewählten Bürgervertretern nicht möglich sein soll, die beteiligten Bus- und Taxiunternehmen davon zu überzeugen, dass der Bürgerwille und nicht Wirtschaftsinteressen einzelner Busunternehmen maßgebend für die Lage und Anzahl von Bushaltestellen sind. Zumal auch öffentliche Gelder in Form von Zuschüssen für die Dienstleistungen der VLG gezahlt werden.

Dass die Gestaltung von Fahrplänen mit allen am öffentlichen Nahverkehr beteiligten Transportunternehmen einschließlich der Bahn nicht einfach ist, kann ich mir vorstellen. Und dass man nicht allen weiterführenden Anschlussverbindungen gerecht werden kann, auch. Dies sollte aber nicht die Dorfgestaltung so beeinflussen, dass man ein Filetgrundstück im Zentrum eines Dorfes mit Parkflächen, neuer Bushaltestelle und neuer Endhaltepunkte einzelner Buslinien so beschneidet, dass eine offene Planung für die Nachnutzung der Freifläche sehr stark eingeschränkt ist. Auch wenn die Stadt Wittingen ein Vorkaufsrecht auf dieses Grundstück besitzt, könnte der Eigentümer nach Ablauf des Pachtvertrages bei Eigennutzung verlangen, die Parkbuchten der Endhaltepunkte zum Teil rückzubauen, was eine weitere Nutzung dieser Parkbuchten dann ausschließen würde.

Ist es nicht besser, in verlässliche Standorte Geld für die Gestaltung von Endhaltepunkten zu investieren als in eine Option, die noch nicht einmal verbindlich für die Zukunft gilt? Oder geht es uns als Kommune finanziell so gut, dass es nicht relevant ist, für teure Zwischenlösungen Geld auszugeben, die dann gegebenenfalls eine Neuerrichtung an anderer Stelle nötig machen? Zumal eine Umgestaltung des Umfeldes am Bahnhof Knesebeck ansteht und die Bahn beziehungsweise das Unternehmen Erixx versucht, einen stündlichen Takt für den Bahnbetrieb einzurichten.

Ist es dann nicht vielleicht doch besser, in diesem neu zu gestaltenden Umfeld des Bahnhofes auch die Endhaltestellen der Busunternehmen zu platzieren, mit sanitären Anlagen und Zugang für Busfahrer und die wartenden Fahrgäste? „Eine Bushaltestelle ist sowieso am neu gestalteten Bahnhof Knesebeck schon eingeplant“, so die Auskunft des Ortsrates Knesebeck. Warum dann nicht auch die Endhaltestellen für die Kurzpausen der Busfahrer dort platzieren?

Durch die Anwesenheit des Buspersonals würde dann auch der Vandalismus an den jetzigen Einrichtungen der Bahn und den abgestellten Fahrrädern zumindest gehemmt. Und nicht, wie es ein Ortsratsmitglied geäußert hat, dass dort dann ein zwielichtiges Milieu entstehen würde. Nein, das Gegenteil wäre der Fall.

Vielleicht ist es nicht zu spät, für einen Kompromiss in Bezug auf die Gestaltung des öffentlichen Nahverkehrs in Knesebeck mit seinen zukünftigen Haltestellen im Sinne des Bürgers und Wählers zu entscheiden und nicht die Planungshoheit der VLG zu überlassen.

Frank Groß, Knesebeck

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Leserbriefe geben die Meinung des unterzeichnenden Verfassers wieder. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

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