„Umkehr herbeiführen“

Mit dem Einsatz von Nitrat in der Landwirtschaft befasst sich Jochen Doermer aus Zasenbeck:.

Bewusstsein hat etwas mit Wissen zu tun. Der Mensch als einziges Wesen auf Erden sollte wissen, was er tut, nicht gedankenlos agieren.

Wie gehen wir mit Nitrat um? Nitrate kommen in unberührter Natur vor, etwa im Grundwasser, im Gewitterregen usw. Es ist für das Wachstum der Pflanzen erforderlich, als Eiweißbaustein wesentlicher Bestandteil von Proteinen, Aminosäuren, Nukleinsäuren. Um maximale Ernteerträge zu erzielen, werden dem Boden Nitratdünger zugesetzt. Es gibt industriell hergestellten Dünger und organischen Dünger, letzterer ist Dung der Tiere.

Organischer Dünger hat ein hohes Maß an Ausgewogenheit – gehabt. Seit der zunehmenden Verabreichung von Kraftfutter (Soja, Tapioka, Mais) nimmt der Nitratgehalt überdimensional zu. Nitrat kann von den Pflanzen nicht mehr aufgenommen werden, entweicht in die Luft, versickert im Boden.

Großen Anteil an dieser Schieflage hat die Intensivtierhaltung. Sie liefert Billigfleisch und eine Kette von Missständen, die zu einer Katastrophe führen können. Diese landwirtschaftlichen Praktiken, die industrielle Ausmaße haben, müssen unverzüglich gstoppt werden.

Folgen der Überdüngung sind: Nitrat im Grundwasser – gesundheitsschädlich, besonders für Babys, Krebs. Nitrat in der Nahrung: dito. Nitrat in Fließ- und Küstengewässern: Fisch- und Artensterben. Nitrat in der Luft (Ammonium NH4, Stickstoffverbindung): saurer Regen, Waldsterben, Sterben der Insekten und Vögel. Nitrat im Boden (Ammoniak NH3): geringe Ernten, Versteppung, Hunger, Klima- und Ozonkiller. Nitrat im Menschenkörper: Allergien durch N-Verbindungen, Immunschwächen.

Noch einige Zahlen: 1,3 Milliarden Rinder, deren Gewicht das der Weltbevölkerung übersteigt, lebten 2010 auf dieser Erde. Dazu kommen Schweine, Hühner, Puten usw. Nach einer japanischen Studie belastet die Herstellung von 1 Kilogramm Fleisch das Klima so stark wie 250 Kilometer Autofahrt. In Hanum (Sachsen-Anhalt) soll eine Mastanlage für 80 000 Hühner gebaut werden, obwohl das Grundwasser im Ohretal mit Nitrat überlastet ist.

Es ist nicht nur wünschenswert, sondern für uns und unsere Kinder notwendig, dass wir uns bewusst machen und danach handeln, was durch uns und mit uns um uns herum geschieht.

Zwei nicht alltägliche Gelegenheiten bieten sich in diesen Tagen. Durch die Landtagswahlen am 20. Januar in Niedersachsen eine Umkehr von der zerstörerischen Tiermast weg zu gesünderer Produktion herbeiführen, wenigstens erst einmal in Niedersachsen. Und am 19. Januar ist eine Großdemonstration in Berlin gegen Massentierhaltung geplant. Jochen Doermer

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