Leserbrief

„Trotzdem gut benommen“

 Zu unserer Berichterstattung „Benimm“ (IK vom 26. Mai) schreibt Winfried Harms aus Oerrel.

Beim Thema des Tages „Benimm ist wieder gefragt“ denke ich noch an meine Schulzeit. Als Schüler einer „Deutschen Heimschule“ im Alter von 7 bis 9 Jahren erinnere ich mich, wie wir uns als Jungen gegenüber Frauen zu benehmen hatten. „Gebt ihnen stets den Vortritt, öffnet ihnen die Tür und denkt daran, jede Frau könnte eure Mutter sein“, so unser Zugführer. Das Ergebnis: Eine Frau kam zur Schulleitung um zu sagen, wie anständig und höflich wir uns im Dorfe benehmen würden, es sei eine Freude.“

Später im Internat „Schloss Plön“ bekamen wir stets nach dem Mittagessen für 30 Minuten von unserem Studienrat „Benimm-Unterricht“. „Anständiges Benehmen“ war selbstverständlich, obwohl wir als Jungen ganz schön viel Unsinn im Kopf hatten. Trotzdem, wir haben uns gut benommen, in der Schule und bei Tisch oder auf der Straße. Und später im Beruf war gutes Benehmen selbstverständlich.

Das galt auch, wenn im Ausland andere Regeln galten. So habe ich zum Beispiel. eine Delegation japanischer Wissenschaftler dienstlich in ein spezielles Gasthaus zum Essen eingeladen. Als die Suppe gereicht wurde, sahen mich 31 hochqualifizierte Besucher an und schlürften laut schmatzend die Suppe. „Jetzt wollen sie Ihnen zeigen, dass es ihnen schmeckt, ein alter japanischer Brauch,“ erklärte mir der Dolmetscher. Jetzt lachen, wäre schlechtes Benehmen, also stand ich auf, um einen Vortrag über den Wein zu halten, den es zum Essen gab.

Ihrem Thema „Benimm ist wieder gefragt“ stimme ich gern zu.

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