Lesermeinungen zu zwei aktuellen Wittinger Themen

Die Tafel und der Bahnhof

+
Gegenstand von Diskussionen in Wittingen: die Tafel an der Kleinen Wallstraße und das ehemalige OHE-Gelände, aus dem die Politik ein Gewerbegebiet machen will. 

Claus Hildebrandt, Wesendorf, war 2017 einer von vier Wesendorfern, die die Wittinger Tafel bei Umbauarbeiten unterstützt haben. Er äußert sich zum Artikel „Wirbel um Wittinger Tafel“ (IK vom 3. März):

Wir haben [...] gesehen, dass Hilfe dort gern gesehen und gebraucht wird.

Ich finde es schade, dass sich Laura Osterloh über Facebook zu einem Statement hat hinreißen lassen, ich finde es aber auch voll daneben, wie ahnungslos Angela Merkel mit dem Thema „Essener Tafel“ umgeht. Hier ist der Staat gefragt und alle Politiker auch hier in der Wittinger Gemeinde; ich fand es im vergangenen Jahr toll, dass sich der Wittinger Bürgermeister unsere Arbeit vor Ort angesehen hat. Das sollten mal mehr Wittinger Politiker machen.

Die Wittinger Tafel ist ähnlich wie das Henri ein kleiner Wirtschaftsbetrieb, der eigentlich in den Gewerbeverein Wittingen aufgenommen werden sollte (Wertschätzung), da er fester Bestandteil Wittingens ist. Ich finde es sehr merkwürdig, wie hier Menschen politische Statements abgeben, die noch nie in der Tafel waren, schon gar nicht dort geholfen haben. Ich weiß genau, wer die 99funken Aktion „Menschenwürde“ im vergangenen Jahr unterstützt hat, fast keiner.

Im vergangenen Jahr haben wir uns angesehen, welche Probleme es bei der Ausgabe von Lebensmitteln gibt, und ich habe Laura Osterloh meine Schiedsrichterpfeife geschenkt, damit sie sich besser behaupten kann. Am vergangenen Dienstag war ich mal wieder in der Wittinger Tafel und habe gesehen, wie sich Laura Osterloh mit ihrem Team krumm macht.

Ich empfehle allen Kritikern, dort mal zu spenden oder ihre Arbeitsleistung ehrenamtlich einzubringen. Die können alle Bevölkerungsschichten gebrauchen, in der Gifhorner Tafel machen sogar pensionierte Lehrer und Ingenieure den Fahrdienst. Ich habe von Laura Osterloh etwas lernen können und ziehe den Hut vor ihr und ihrem Team. Claus Hildebrandt

Dr. Rolf Mahlke aus Wittingen befasst sich mit den Plänen für ein Gewerbegebiet am Bahnhof:

Sicherlich können sich Mitbürger, die ein Interesse an unserer Stadtentwicklung haben, noch an die Diskussionen in 2005 erinnern, als beim Neubau des Krankenhauses mit guten Argumenten für die Schaffung eines „Wittinger Gesundheitscampus“ geworben wurde. Für alle, die sich nicht erinnern können: Es gab Vorschläge, das Krankenhaus – inklusive einer ortsbildprägenden Architektur – auf das heutige „Fachmarkt“-Gelände zu positionieren. Leider wurde dies nicht realisiert, und somit wurden viele weitere Vorteile (kurze Wege zum Pflegeheim, bessere Zugänglichkeit) vergeben.

Wenn man das Konzept „Gesundheitscampus“ fortentwickelt hätte, stünden an diesem Standort heute nicht nur Pflegeheim und Krankenhaus. Sondern man hätte auch eine funktional-zentrale Entwicklung erreichen können, indem man die jetzt eher dezentral gelegenen Einrichtungen von altengerechtem Wohnen, Tagespflegezentrum, Ärztehaus etc. dort wegen der freien Flächen hätte gut anbinden können. Leider verzichtete Wittingen darauf, sich diesbezüglich im Umkreis einzigartig zu machen.

Und: Es wurde damals zugleich die einmalige Chance verpasst, durch geschickte Flächenumnutzung und dadurch mögliche Erweiterungen der Verkaufsfläche (z.B. Markterweiterung zum Gartenweg hin und Parkflächen auf dem ehemaligen Krankenhausgelände) dem damaligen „E-Kauf“ innerorts wirtschaftliche Rahmenbedingungen zu geben, die ein rendite-zehrender Betrieb nun einmal benötigt, um zu existieren. Die Möglichkeit, mit einem größeren Markt mitten im Standzentrum die Belebung zu erreichen, die wir uns heute – vermutlich vergebens – wünschen, wurde leider vergeben.

Gegenstand von Diskussionen in Wittingen: die Tafel an der Kleinen Wallstraße und das ehemalige OHE-Gelände, aus dem die Politik ein Gewerbegebiet machen will. 

Wenn heute über die Nutzung der freiwerdenden OHE-Fläche nachgedacht wird, so wünschte man sich, dass hier vor Entscheidungen zur Nutzung dieselbe intensiv gründlich überlegt wird. Sieht man sich die Hochschullandschaft an, so ist zum Beispiel stark zu bezweifeln, ob es gelingen wird, auf dem Gelände eine Zweigstelle einer Hoch- oder Fachschule anzusiedeln. Natürlich wäre an diesem Standort jederzeit eine gewerbliche Nutzung denkbar, die dann vielleicht im „Kopfkino“ so aussehen wird, dass eine „schöne“ große und graue Industriehalle alle begrüßt, die in Wittingen auf dem Bahnhof ankommen.

Apropos Bahnhof: Gibt es hier nicht ein jahrzehntelanges Problem mit den Dingen, die sich jeder Reisende wünschen würde? Eine saubere und zumindest (zu Kernreisezeiten) ständig zugängliche Toilette und ein nicht nur trockener, sondern auch warmer Wartebereich? Nicht zu denken an die gute alte Zeit, in der Reisende an vielen Bahnhöfen mit lange öffnenden Restaurationen erfreut wurden….

An dieser Stelle könnte man sich nun wieder an 2005 erinnern. Wer Handel und Wandel – besser: eine bürgerzugewandte Stadtstruktur – realisieren möchte, sollte am zu entwickelnden Standort bitte gern an Nutzungen denken, die Vorhandenes einbeziehen und Hinzukommendes innovativ hinzufügen. Es gäbe Bürger, die hierfür Ideen jenseits von innerstädtischen Gewerbegebieten hätten.

Dr. Rolf Mahlke

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare