„P wie Papierkorb“

Jochen Bellin, Wittingen, vermisst stadtplanerische Impulse der Politik und sieht die Stadthalle vernachlässigt:.

Am Beispiel der Stadthalle von Wittingen wird die Untätigkeit und Unfähigkeit der SPD/FWG-Bürgervertreter im Rat und Ortsrat der letzten zirka 20 Jahre sichtbar. Die groß begonnene Stadtsanierung wurde unter „P” wie Papierkorb abgelegt. Die Junkerstraße wartet heute noch auf ihre Sanierung.

Fest steht, dass die Stadthalle nach dem Umbau Ende der 70er Jahre die schönste Halle im Kreis Gifhorn war. Die Auflagen der Niedersächsischen Landesbühne betreffs Duschen, Umkleideräume, Bühne usw. waren enorm. Trotzdem wurden die finanziellen Forderungen zur vollen Zufriedenheit erfüllt.

Belohnt wurden die Wittinger mit ihrem rührigen Kulturverein (Frau Berger) durch den Besuch vieler berühmter Künstler. Auch sind die Veranstaltungen mit Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft (Angela Merkel, Gerhard Schröder, Ernst Albrecht, Volker Rühe) in guter Erinnerung. Unvergesslich das Pächter-Ehepaar Grete und Helmuth Schmidt. Haben sie doch über die Grenzen von Wittingen hinaus 40 Jahre lang die Stadthalle zum gesellschaftlichen und kulinarischen Mittelpunkt gemacht.

Der eigentliche Skandal ist, dass die Stadthalle nach 2000 sträflich von den Ratsherren vernachlässigt wurde. Obwohl mit dem Ehepaar Inge und Dieter Kwasny kompetente Nachfolger die Bewirtschaftung übernommen hatten, wurden ihre Ideen und Verbesserungsvorschläge in keiner Weise seitens des Rates und der Verwaltung zur Kenntnis genommen. Schlimmer noch: Die Ratsherren beschlossen, dass in Ohrdorf – 6 Kilometer vor der Haustür von Wittingen – mit großer finanzieller Unterstützung der Stadt ein Dorfsaal gebaut wurde.

Als Beweis der Untätigkeit zitiere ich aus dem Protokoll der 30. Sitzung des Ortsrates vom 7. Februar 1990, Haushaltsstelle 8400 – Stadthalle: „Die Verwaltung weist darauf hin, dass auch der Ausbau eines Kulturzentrums in Verbindung mit Umbaumaßnahmen in der Stadthalle sowie der weiteren Gestaltung des Naherholungszentrums Nachtweide in die Bedarfsmeldung über notwendige Investitionen nach der Grenzöffnung aufgenommen wurde. Einstimmiger Beschluss des Ortsrates: Für das Naherholungsgebiet an der Nachtweide erfolgt zur Attraktivitätssteigerung des Gesamtkomplexes eine beschränkte Ausschreibung mit noch zu erarbeitenden Zielvorgaben. Vorab ist ein Gesamtkonzept zu erstellen.”

Diesen Beschluss des Ortsrates werde ich zum Gegenstand einer Anfrage in der nächsten Ortsratssitzung machen. Wann landete der Beschluss unter „P” im Papierkorb? Jochen Bellin

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