IK-Leserbrief

„Mehr als nur Geruchsbelästigung“

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(Symbolbild)

Robert Weibel aus Wittingen äußert sich zum viel diskutierten Thema Hähnchenmast:

Seit einigen Wochen wird in Wittingen über das Thema Hähnchenmast diskutiert. Bis heute ist es zu keiner endgültigen Entscheidung gekommen. Kürzlich fiel mir ein Artikel der Geographischen Rundschau (Ausgabe 09/2019) in die Hände, der als unschöne Prognose für Wittingen gewertet werden kann. Der Artikel beleuchtet einige Probleme der Landkreise Oldenburg, Cloppenburg, Vechta, Osnabrück sowie Grafschaft Bentheim, der Region mit der höchsten Gesamt-Tierdichte in Deutschland. Auf knapp 22 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche Niedersachsens kommen 67 Prozent der Schweine, etwa 80 Prozent Masthühner, über 84 Prozent der Legehennen und dazu 78 Prozent der Puten.

In dieser Region führt das bereits jetzt zu einigen Problemen, die über die bloße Geruchsbelästigung hinausgehen. Das zentrale Problem der Intensivtierhaltung besteht in der Menge der anfallenden tierischen Exkremente, welche als nitrathaltiger Dünger auf die landwirtschaftlichen Flächen ausgebracht werden. Drohende Strafen der EU aufgrund zu hoher Nitratbelastung, zusätzlich benötigte Güllelager, steigende Entsorgungskosten der Gülle usw. sorgen für steigende Kosten für die Landwirte und – sollten die drohenden EU-Strafen in Kraft treten – auch für die Allgemeinheit.

Ein weiteres Problem sind die Ammoniakemissionen, die gerade bei der Intensivtierhaltung anfallen. Diese führen zwangsläufig zu hohen Investitionskosten für die Landwirte, die Luftfilter installieren müssen. Des Weiteren führt der erhöhte Futterbedarf durch die Tiermast im Raum Vechta zu einer Expansion der Maisanbauflächen und einem Rückgang der Grünflächen. Gerade bei der Tiermast sind auch drohende Seuchen ein enormes Problem und ein erhebliches wirtschaftliches Risiko für die Landwirte. Bricht eine Krankheit aus, werden der gesamte Bestand und häufig auch benachbarte Bestände vollständig getötet. Die Seuchen führen zudem zu Einfuhrbeschränkungen für Fleisch aus Deutschland und zu erheblichen Preiseinbrüchen im Inland. Zudem führt die Intensivlandwirtschaft zu einem starken Anstieg der Kauf- und Pachtpreise für Agrarland. Hinzu kommen die Probleme Tierwohl und Antibiotikaeinsatz.

Anstatt den Problemen dieser Region nachzueifern, sollten wir aus ihnen lernen und keine neuen Hähnchenmastanlagen bauen.

Robert Weibel, Wittingen

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Leserbriefe geben die Meinung des unterzeichnenden Verfassers wieder. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

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