Leserbriefe: IK-Leser äußern sich zur Party an Heilig Abend und zu Pastor Heitkamps Aussagen zu „Stille Nacht“

Von leiser und lauter Weihnacht

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Eine Party wie diese an Heilig Abend? Dieses Vorhaben hatte in Wittingen schon vor der Veranstaltung für Diskussionsstoff gesorgt. Viele Stimmen kritisierten die Veranstalter und die Stadt als Verpächter der Stadthalle. Ein IK-Leser verteidigt die Veranstaltung nun.

Die Party am Heiligen Abend in der Wittinger Stadthalle hatte für reichlich Diskussionen gesorgt (das IK berichtete). Auch der Wittinger Henning Schulze-Drude schaltet sich ein und kann die Kritik an der Veranstaltung nicht nachvollziehen.

Ich erinnere mich noch gut daran, dass wir als junge Leute genossen haben, an Weihnachten zu Hause zu sein. Das lag natürlich in erster Linie an der Familie. Darüber hinaus war es aber auch schön, die alten Freundinnen und Freunde aus der Schulzeit zu treffen. Und so gingen wir nach der Christmette los um miteinander zu feiern und zu klönen.

Dass ein Veranstalter dies nun zum Anlass genommen hat, dieses Angebot zu kommerzialisieren ist sein gutes Recht, ebenso wie es gutes Recht der Stadt ist, dafür die Stadthalle gegen Geld zur Verfügung zu stellen, denn sie hat viel Geld in dieses Objekt gesteckt. Daher kann ich die „wirtschaftlich attraktive Entscheidung“ der Stadt durchaus verstehen. Ebenso vermietet sie die Stadthalle an Schützenvereine, andere Vereine, ja, sogar an die Kirche.

Nun kann man natürlich geflissentlich über die Frage streiten, ob es angesagt ist, am späten Abend dieses Tages zu einer Tanzveranstaltung einzuladen, mal abgesehen davon, dass ich diese Veranstaltung nicht abschätzend als „Kommerz-Party“ bezeichnen würde, es sei denn, ich bezeichne die Schützenfeste, die Tanzveranstaltungen und Konzerte auch als solche.

Heiligabend ist in keinem unserer Bundesländer ein gesetzlicher Feiertag. Das kann es also auch nicht sein. Oder wie will ich den Jugendlichen schlüssig erklären, dass sie in der Nacht nicht in einem geschlossenen Raum tanzen dürfen, wenn der Papa noch am Nachmittag dieses Tages sein Auto fröhlich durch die Waschanlage fahren durfte.

Blieben also nur noch christliche Gründe, die Menschen dazu bringen, gegen eine solche Veranstaltung zu sein, und die will ich ihnen auch nicht absprechen. Aber ebenso wenig will ich den jungen Menschen absprechen, diesen Tag (meistens nach der Familienfeier) anders zu nutzen. Zu suggerieren, dass sie damit in ihrem Leben nicht „füreinander da“ sind, oder „sich selbst aushalten“ halte ich gelinde gesagt für sehr weit hergeholt. Bei anderen christlichen Fest- und Gedenktagen (Karwoche, Ewigkeitssonntag, Buß- und Bettag) bin ich übrigens selbstverständlich auch der Meinung, dass sie sich nicht mit Tanz und Fröhlichkeit vereinbaren lassen. Aber das Weihnachtsfest ist für mich ein Fest der Freude und nicht der Buße. Theologisch gesehen haben wir die Bußzeit nämlich gerade hinter uns, denn die Adventszeit dient der Vorbereitung auf die Ankunft Christi und damit auch der Buße („Bereitet dem Herrn den Weg…“).

Wir klagen heute oft darüber, dass die junge Generation nicht mehr am Leben der christlichen Gemeinden teilnimmt. Ihnen aber madig zu machen, sich fröhlich miteinander zu treffen trägt nicht gerade dazu bei, die frohe Botschaft lebendig und verständlich in die Welt auch der jungen Menschen zu tragen.

Henning Schulze-Drude

Der Bromer Fritz Boldhaus kritisiert Pastor Karsten Heitkamps Aussagen zum Lied „Stille Nacht“.

Dieser Artikel „Schrille Nacht“ (das Wort zum Sonntag, Anm. d. Red.) hat mich am Morgen des Heiligen Abends, des immer noch ganz besonderen Tages der Christenheit, und damit der meisten Menschen des Isenhagener Landes, sehr erschreckt und zwingt zu einer Entgegnung.

Die Überschrift ließ mich anfangs denken, dass hier und endlich ein Seelsorger aus Groß Oesingen auf die Entartungen des Weihnachtsfestes eingehen würde, auf Weihnachtsschießen, Kaufrausch, Heiligabend-Dancing und so weiter.

So hat mich die Schmähung „dieses schrecklichen Liedes ‘Stille Nacht’ mit den scheußlichsten drei Strophen“, dass vor zweihundert Jahren in bitteren Notzeiten von den Gläubigen Joseph Mohr und Franz Xaver Gruber erdacht und vorgetragen wurde, tief erschreckt und beschämt. Denn auch ich stand in der Bromer Liebfrauenkirche in der Heiligen Nacht in der Gemeinschaft der Christen und sang zum Abschluss und Höhepunkt des Gottesdienstes dieses Lied der Christenheit.

Fritz Boldhaus

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