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„Kultureller Untergang“

Hanna Schulze, Wittingen, zu Anglizismen im Sprachgebrauch, unter anderem mit Bezug auf den Artikel „Laufen, Gehen oder Walken“ (IK vom 9. November):.

In seiner Abschiedsrede anlässlich unserer Schulentlassung bedauerte unser Klassenlehrer Karl Schmalz schon vor 60 Jahren, dass „unser gemütvolles Plattdeutsch welkt und abstirbt“. Allen, die sich jetzt um die Wiederbelebung der Sprache unserer Vorfahren bemühen, gelten Anerkennung und Dank.

Eine beängstigende Entwicklung nimmt inzwischen unsere Muttersprache. Ihr reicher Wortschatz wird von „coolen Trendsettern“ beschädigt, die fremdem Vokabular den Anschein von Weltläufigkeit verliehen haben.

Aus einem Beisammensein auf einer Abschlussveranstaltung wird das „Get Together“ bei einer „Finisher-Party“, wahlweise auch das „Event“ genannt, und für den Heimweg empfiehlt sich der „Coffee to Go“. Der Ansturm auf die regionalen Fahrzeugkennzeichen gerät zum „Run“, und eine Bausparkasse gibt Benachrichtigungen an ihre Kunden mittels „Newsletter“ bekannt. Verantwortungslos, armselig und lächerlich zugleich.

Wen wundert es da, dass Deutschland von Europa zwar über Gebühr in die Pflicht genommen wird, die deutsche Sprache jedoch im Brüsseler Parlament ein Nischendasein fristen muss? Protest Fehlanzeige, warum auch? Deutschland spricht schließlich sowieso „d’english“, und seine Sprachverhunzer tragen täglich mit sinnlosen Wortschöpfungen zum kulturellen Untergang bei.

Hanna Schulze

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