Walter Herrmann aus Knesebeck zur Diskussion über Wittinger Vitalisierungsstrategien

„Kirchturmpolitik bringt uns nicht weiter“

Walter Herrmann, Knesebeck, zur Diskussion über Vitalisierungskonzepte für Wittingen:

Im Wirtschaftsausschuss der Stadt Wittingen ging es kürzlich um ein Vitalisierungskonzept für die Wittinger Innenstadt. Ein wichtiges Thema, wie ich meine. Denn mit dem dahinter stehenden Förderprogramm soll ein wirkungsvoller Anreiz für den Erhalt und die Stärkung der Innenstadt als attraktives Handels- und Dienstleistungszentrum geleistet werden, so die Präambel der diskutierten Richtlinie.

Es sollte allen Bürgerinnen und Bürgern, egal ob aus Radenbeck, Stöcken oder Knesebeck, am Herzen liegen, dass sich „ihre Hauptstadt“ eine gewisse Attraktivität erhält bzw. neue hinzu gewinnt. Und dies ist angesichts eines zunehmenden Online-Handels und der großen Konkurrenz im Umland nur mit gezielter Unterstützung möglich.

Eine gleichzeitige Einbeziehung und Förderung aller Ortschaften im Stadtgebiet in dieses Konzept ist hier angesichts schmaler Geldbörsen nicht zielführend. Der Knesebecker Ortsbürgermeister sieht das, wie jüngst in dieser Zeitung zu lesen war, anders. Er fordert eine gleichwertige Förderung seiner Ortschaft, wie sie für die Kernstadt angedacht ist.

Sich für seinen eigenen Ort einzusetzen ist zunächst ja einmal begrüßenswert! Eine Kirchturmpolitik, wie sie hier aus dem Wirtschaftsausschuss gespiegelt wird, bringt uns jedoch auch nicht wirklich weiter. Hier sollte der Ortsbürgermeister sich auf andere Weise für seinen Ort einsetzen.

Wer sich aber einmal in Knesebeck umschaut, erkennt schnell, dass es vorrangig nicht an einer allgemeinen finanziellen Förderung fehlt. Was fehlt oder zu fehlen scheint, sind kreative Ideen und die Behebung der kleinen und größeren Baustellen, die sich in den vergangene Jahren in Knesebeck aufgetürmt haben und auf Abarbeitung warten. Mit dem Finger auf die Stadt zu zeigen – nach dem Motto „Na Stadt, gib uns Förderung“ – löst unsere Probleme nicht!

Finanzielle Mittel für die Umsetzung neuer Ideen sind sicherlich immer irgendwo zu bekommen, wenn man sich entsprechend dafür einsetzt. Dann macht Kirchturmpolitik auch wieder Sinn. Aber wenn selbst wichtige Zukunftsprojekte in Knesebeck nur ganz schleppend vorankommen, fragt man sich, wofür der Ortsbürgermeister Förderung wünscht.

Nun darf man dem Bürgermeister natürlich nicht allein die Schuld für den augenscheinlichen Stillstand in Knesebeck in die Schuhe schieben. Letztendlich ist es die Mehrheit des Ortsrats, die die Verantwortung des Ortsbürgermeisters mitträgt.

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