IK-Leserbrief

„Kirchentag ist kein Zugpferd mehr“

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Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (Foto) war beim 37. Deutschen  Evangelischen Kirchentag zu Gast.

Wolfgang Banse, Wittingen, äußert sich zum Evangelischen Kirchentag in Dortmund:

Der Deutsche Evangelische Kirchentag ist keine Erfindung des 20. Jahrhunderts. Der Kirchentag ist ein Treffen von Protestanten und anderen Gläubigen. Er hat keinen amtskirchlichen Charakter. Dies sollte beibehalten bleiben. „Vertrauen wagen“ lautete das Motto des 37. Kirchentages. Vertrauen – ein großes Wort, was anscheinend abhanden gekommen ist. Nicht nur in Bezug auf Kirche und Glauben, sondern auch im politischen und gewerkschaftlichen Bereich.

Bibelarbeiten, Diskussionen, Gottesdienste, der Markt der Möglichkeiten boten von A bis Z alles an. Es gab viel Papier, so mancher Baum könnte noch stehen.

2021 findet der nächste Kirchentag in Frankfurt/Main statt. Ohne die freiwilligen Helfer wie die Pfadfinder wäre eine so große Veranstaltung nicht zu stemmen. Es hätte dem Präsidium gut gestanden, den Freiwilligen die Reisekosten zu erstatten.

Die Zeiten scheinen vorbei zu sein, was die 120 000-Teilnehmer-Marke betrifft. Schon im Reformationsjahr 2017 wurde die Zahl 100 000 bei Weitem unterschritten. Eine gründliche Analyse sollte erfolgen, warum der Kirchentag kein Zugpferd des deutschen Protestantismus mehr ist. Liegt es an den Themen oder am Standort?

Der Kirchentag sollte sich selbst finanziell tragen, ohne Unterstützung von Stadt, Land oder Bund. Dadurch wird Unabhängigkeit erleb- und erfahrbar gemacht. Vielleicht sollte der Kirchentag nicht mehr alle zwei Jahre veranstaltet werden, sondern nur alle vier Jahre? Kirchentage sagen nichts darüber aus, wie es um die Amtskirchen steht. Sie sind nicht mehr tonangebend. Sie müssen sich behaupten, was andere Mitbewerber betrifft.

Wolfgang Banse, Wittingen

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Leserbriefe geben die Meinung des unterzeichnenden Verfassers wieder. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

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