IK-Leserbrief

„Ich fühle mich nicht vertreten“

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Ewiges Streitthema: Der geplante Ausbau der A 39.

Helge Gülzau aus Hagen (bei Knesebeck) reagiert auf den Leserbrief von Eva Gresky (IK vom 28. August):

„Bloß nicht umdenken“ – so lautete der Titel von Frau Greskys Kommentar im IK. Diesen Worten kann ich in diesem Fall nur zustimmen: Bitte lasst uns nicht schon wieder alles über den Haufen werfen! Seit ich denken kann gleicht die Auseinandersetzung um den Lückenschluss der A 39 einem einzigen Hin und Her.

Heute sollte eigentlich alles geklärt sein, damit es endlich losgehen kann. Trotzdem haben die Grünen im Kreistag nichts Besseres zu tun, als erneut einen Antrag einzubringen, der mal wieder zum Ziel hat, den Ausbau der A 39 zu verhindern.

Begründet wurde der Antrag mit der „Sorge um die Zukunft der kommenden Generationen“. Als Teil der sogenannten „Generation Y“ fühle ich mich durch diese Positionierung keineswegs vertreten – im Gegenteil. Für mein Studium bin ich erst nach Osnabrück, dann nach Hannover gezogen, würde später aber wieder gerne ganz in meine Heimat zurückkehren.

Allerdings sehe ich da momentan leider eher Schwarz, für die meisten Jobs müsste ich nun mal in die größeren Städte. Wenn ich meinen Kommilitonen erzähle, dass ich Zuhause bis zur nächsten Autobahnauffahrt erst einmal eine halbe Stunde bis in den Nachbarkreis fahren muss, ernte ich nur fassungslose Blicke.

Betrachtet man das Autobahnnetz der Bundesrepublik, liegt Wittingen mitten im größten Loch. Wer verhindern möchte, dass der ländliche Raum nach und nach ausblutet und abgehängt wird, der muss dafür sorgen, dass junge Menschen wieder dort bleiben können.

Im Klartext heißt das: Ausbau der Netz-, aber eben auch der Verkehrsinfrastruktur – und zwar schnell! Der angekündigte Glasfaseranschluss und die Anbindung an die Autobahn wären ein Anfang. Im Gegensatz zur Kreistagsfraktion der Grünen beziehungsweise Frau Gresky sehe ich beide Maßnahmen mit einem erheblichen wirtschaftlichen Nutzen für unsere Region verbunden.

Gleichzeitig frage ich mich, inwiefern ein Ausbau der B 4 umweltverträglicher sein soll als der Lückenschluss der A 39. Das Verkehrsaufkommen würde dadurch nicht verringert, sondern lediglich verlagert. In der Konsequenz würde diese Variante sogar zu unnötigen Umwegen und damit mehr klimaschädlichen Emissionen führen.

Gleichzeitig steht der Ausbau der A 39 keineswegs im Widerspruch zu einem besseren Bahnverkehr. Wir brauchen beides. Für eine erfolgreiche Verkehrswende halte ich auch ein Weg vom Individualverkehr nicht unbedingt für notwendig. Was wir brauchen, ist nicht der Verzicht auf das Auto, sondern die Verminderung und Vermeidung klimaschädlicher Emissionen. Das erreichen wir aber auch durch neue Antriebstechnologien.

Helge Gülzau, Hagen (bei Knesebeck)

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Leserbriefe geben die Meinung des unterzeichnenden Verfassers wieder. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

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