Leserbrief

„Herzschrittmacher für herztote Branche“

Thomas Schiefelbein, Wittingen, äußert sich zu den Überlegungen, mit politischer Hilfe den Fortbestand des Geschäftes Pretty Shoes zu sichern:

Die Überlegung, dass man versucht, mit Geld aus der Stadtkasse eine Branche, die bereits am Sterben ist, am Leben zu erhalten, finde ich sehr bedenklich. Interessant wäre hier auch, welche Steuergelder dafür genutzt werden sollen.

Die Besitzer haben bereits erkannt, dass Sie mit der Zeit gehen müssen und die Zukunft im Online-Handel liegt. Diese Entscheidung ist aus meiner Sicht mutig, aber auch die richtige. Es tut mir sehr leid, wenn man sieht, was in unserer Wittinger Innenstadt gerade passiert. Denn diese ist schon länger so gut wie ausgestorben.

Schauen wir aber mal in die Vergangenheit. Man kann sehr einfach die Gründe erkennen, wie es überhaupt dazu gekommen ist: Als man vor dem Neubau von Rewe, Lidl, Rossmann und auch ABC-Schuhmarkt gewarnt hatte, dass dieses die Innenstadt ausbluten würde, hat man diese Warnung nicht ernst genommen. Im Gegenteil, man war sich sehr sicher, dass viele nach dem Einkauf bei Rewe und Co. noch in die Innenstadt zum Einkaufen schlendern würden.

Genau das Gegenteil ist jetzt passiert. Man hat den einheimischen Unternehmen die Konkurrenz am Ortsrand direkt vor die Nase gesetzt, und jetzt wundert man sich, dass die großen Handelsketten die kleinen zerstören. Edeka ist in der Innenstadt bereits daran kaputt gegangen, Pretty Shoes folgt jetzt. Dadurch, das Rossmann als Drogerie und KiK als Bekleidungsunternehmen ebenfalls an der Knesebecker Straße vorhanden sind, kann man sich leicht ausmalen, welche Branche als nächstes in der Innenstadt verschwinden wird.

Wollen wir alle diese Unternehmen mit finanzieller Unterstützung am Leben erhalten? Wer entscheidet künftig, welches Unternehmen mit Geld am Leben erhalten wird und welches nicht?

Ich befürchte, man versucht hier, einer herztoten Branche noch schnell einen Herzschrittmacher einzusetzen, um dann zu erkennen, dass es längst zu spät ist. Anstatt vorher etwas für ihre Gesundheit zu machen, sieht man leider nicht, dass die Krankheit bereits zum Tode geführt hat.

Ein nachfolgendes Schuh- unternehmen, welches von der Stadt finanziell unterstützt werden soll, wird auch über kurz oder lang erkennen, dass die Käuferschichten nicht mehr vorhanden sind und dann über kurz oder lang schließen. So, wie es in der Automobilbranche gerade ein Umdenken und Umbruch gibt, muss es auch bei unserer Innenstadtpolitik endlich passieren. Wittingen muss attraktiver gemacht werden für den Einzelhandel, aber auch für die Einwohner. Ansonsten gehen nach den Geschäften irgendwann auch die Einwohner weg.

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