„Fatale Folgen“

Uta Michels-Weise aus Hagen bei Sprakensehl setzt sich mit dem Leserbrief von Winfried Harms zur Sexismus-Debatte (IK vom 9. Februar) auseinander:.

Erstens: Wenn wir bezüglich unseres Paarungsverhaltens tatsächlich so vergleichbar sind mit Vögeln und Hirschen, sind wir offensichtlich nicht sehr weit gekommen. Ich hoffe jedenfalls, dass in meinen Söhnen mehr steckt als ein triebgesteuerter Hirsch oder ein balzender Gockelhahn – nein, vielmehr weiß ich es, ich habe eine bessere Meinung von Männern.

Zweitens: Tiere zu beobachten und von ihnen zu lernen, ist nicht nur interessant, sondern kann uns durchaus bereichern, zum Beispiel die Betrachtung all der vielfältigen Lebensformen. Aber menschliches Verhalten von tierischem Verhalten ableiten zu wollen oder gar damit zu begründen oder zu entschuldigen, hat meines Erachtens leicht etwas „Gefährliches“. Es zieht sich durch unsere Geschichte, dass gerade Männer (in ihrem Interesse) meinten, etwas aus der Natur ableiten zu können über das „Wesen der Frau“, mit zum Teil fatalen Folgen, die bis heute spürbar sind. Wir sollten vielmehr unsere Fähigkeiten nutzen, eigenes Verhalten zu reflektieren und gegebenenfalls zu korrigieren.

Drittens: Sexismus ist etwas anderes als Balz- und Paarungsverhalten (und der Natur wahrscheinlich unbekannt) und hat auch nichts damit zu tun, ob jemand glücklich verheiratet ist oder nicht. Sexismus meint eine Grundeinstellung, die darin besteht, einen Menschen allein auf Grund seines Geschlechts zu benachteiligen und zu diskriminieren. Hierbei geht es insbesondere um ein abwertendes Verhalten Frauen gegenüber, welches sich zum Beispiel in anzüglichen Bemerkungen, öffentlichem Ausziehen mit Worten, der Reduzierung zum Objekt sexueller Begierde und ähnlichem äußert. Das entwürdigt Frauen (jede Person) zu Recht.

Sicherlich ist ein gewisses Bemühen erforderlich, um sich in die Bedeutung all dessen einzufühlen und die dahinter liegenden und wirkenden (Macht-) Strukturen zu erfassen. Den durchaus gebräuchlichen Hinweis, dass „die Frauen das ja so wollen“, können wir jedenfalls getrost vergessen, denn: Gerne bekommen Menschen wertschätzende Komplimente, auch umworben zu werden ist etwas Schönes. Aber niemand hat Spaß daran, erniedrigt zu werden – und wo wirklich Respekt und Anerkennung das Miteinander von Frau und Mann prägen, ist so etwas auch nicht „nötig“. Uta Michels-Weise

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