„Einfach abreißen?“

Susanne Lühr aus Brome befasst sich mit der Bromer Ortsumgehung (IK vom 22. November):.

In die zahlreich gewordenen Termine diverser Interessengruppen reihte sich der Besuch des Landtagsabgeordneten und verkehrspolitischen Sprechers der Grünen, Enno Hagenah, ein. Nachdem er erwartungsgemäß nicht nur die enge Südtrasse, sondern „eine Bromer Ortsumgehung insgesamt für wenig realistisch“ hielt, schlug er eine erstaunlich einfache Lösung vor.

Statt einer Ortsumgehung müsse „ein Ausbau der Strecke an der Gefahrenstelle forciert werden“. Im Klartext: Nach Kaufverhandlungen mit den Eigentümern müssten die eine zügige Kurvendurchfahrt behindernden Häuser abgerissen werden. Warum ist eigentlich noch niemand auf diese geniale Idee gekommen?

Der Verbleib im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplanes, die landesplanerische Feststellung sowie Diskussionen um die Trassenführung wären dann obsolet. Es muss erst der Landtagsabgeordnete Hagenah kommen und wie einst Alexander der Große mit dem gordischen Knoten eine triviale Lösung für alle Bromer Verkehrsprobleme bieten.

Die Zerstörung des Ortskernes durch das Abreißen ortsbildprägender Gebäude wie des Jungeschen Hauses muss hinsichtlich dieser genialen Problemlösung nur marginal betrachtet werden. Ein Häuseraufkauf käme den Fiskus zudem noch günstig, denn die Gebäude haben inzwischen Wert und Bausubstanz verloren. Als betroffene Hausbesitzerin würde ich dann allerdings doppelt unter der Situation leiden. Oder hat man eventuell auch adäquate Angebote und Ersatzimmobilien zur Hand?

Hallo, hat Herr Hagenah etwa seine Hausaufgaben nicht gemacht? Mit derart blindem Aktionismus würde das Bromer Verkehrsproblem nur verlagert, denn eine gut ausgebaute Kurve würde noch mehr Lkw passieren lassen und die allgemeine Durchfahrtgeschwindigkeit weiter erhöhen. Wenn sich Herr Hagenah die Bromer Hauptstraße etwas genauer angesehen hätte, wäre ihm aufgefallen, dass ein Großteil der Häuser bereits jetzt Risse aufweisen – die Öffnung des Ortskerns für den Schwerlastverkehr hätte unabsehbare Folgen für die Häuser und deren Bewohner.

Dass Herr Hagenah hinsichtlich der kritischen Ecke die Meinung vertritt, dass „hier ein Ort in Geiselhaft genommen (wird), um eine Umgehungsstraße durchzudrücken“, lässt ein gehöriges Maß an Ignoranz gegenüber den betroffenen Anwohnern erkennen und wirft die Frage auf, wer ist in diesem Fall der Geiselnehmer und welche Interessen sollte er vertreten?

Setzen, Sechs, Herr Hagenah! Letztendlich erweist sich der Ortstermin mit seiner einseitig populistischen Ausrichtung als recht durchsichtige Aktion einer Interessengruppe gegen die im Fokus befindliche Südumgehung mit Herrn Hagenah als Galionsfigur, der hier eher das Zerrbild eines Bürgervertreters lieferte. Hätte ich im Politikstudium eine derart inkompetente Ultima ratio angeboten, wäre ich wohl durchgefallen. Susanne Lühr

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare