IK-Leserbrief

„Bauern könnten Land verkaufen – und dann?“

+
(Symbolbild)

Jörg Krey aus Hankensbüttel ärgert die Behauptung von Professor Nick Lin-His, Landwirte müssten radikal umdenken (IK, 11. November, Blick in den Norden):

Mir schwoll als Betriebswirtschaftler, Nicht-Landwirt (aber mit familiärem landwirtschaftlichen Kontext) und Gesundheitsberufler beim Lesen des Artikels förmlich der Kamm. Hier werden von Herrn Prof. Lin-Hi abgehobene Behauptungen ohne Betrachtung des Gesamtkontextes aufgestellt, kaum eine seiner Forderungen entspricht dem, was wir als Verbraucher und Experten uns unter gesunder Ernährung vorstellen. Es ist unstrittig richtig, dass ein Umdenken stattfinden muss. Es darf künftig nicht mehr darum gehen, Fleisch und Milch möglichst billig („Geiz ist geil“) zu produzieren, vielmehr muss das Ziel sein, Tiere artgerecht zu halten, auch wenn dies bedeutet, das die Produkte teurer werden und wir weniger Fleisch essen werden.

Die Massentierhaltung ist einer der wesentlichen Verursacher der Nitratanreicherungen in einigen unserer Bereiche in Niedersachsen, hier muss umgedacht werden. Die Aussage, wir müssten alle aber nun auf vegane Nahrung umstellen, ist schlicht unsinnig. Erstens ist der Mensch kein Pflanzenfresser (siehe fehlender Blinddarm und Pansen/Labmagen) sondern braucht auch tierische Nahrung.

Zweitens bedeutet die Umstellung auf vegane Produkte, dass Rohstoffe (wie Soja) in Fabriken chemisch aufbereitet werden müssen. In-vitro-Fleisch- und Fischfabriken wie in Japan (Israel war mir nicht bekannt) bedeuten, dass pflanzliche Rohstoffe mit chemischen Mitteln so behandelt werden, dass sie wie Fleisch oder Fisch aussehen und schmecken. Es ist widersinnig auf der einen Seite eine ausgewogene, vegane Nahrung zu fordern, auf der anderen Seite aber Chemie aufzunehmen.

Die Umwandlung von Ackerland in Bauland fördert die weitere Zersiedlung der Landschaft und zerstört unsere Natur nur noch mehr. Wir brauchen unser Ackerland dringend, in Zukunft noch mehr als heute. Wir leben in einer humiden Natur – wie sollen die Menschen in ariden Umgebungen (wie Afrika) ernährt werden, wenn nicht durch Länder mit unserer klimatischen Situation?

Daher sind die Vorwürfe mangelnder Anpassungsfähigkeit von Herrn Professor Lin-Hi gegen die Landwirte völlig am Thema vorbei und seine Vorschläge abstrus.

Jörg Krey, Hankensbüttel

---

Leserbriefe geben die Meinung des unterzeichnenden Verfassers wieder. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare