Leserbrief

„Anlass, über die Kirche nachzudenken“

Der Wittinger Wolfgang Banse macht sich Gedanken über das Reformationsjubiläum:

Protestanten sind Individualisten. Sie sprechen wenig über die christliche Gemeinde, denken möglichst über Wesen und Auftrag der Kirche nach. Protestanten sprechen lieber von der christlichen Freiheit.

Reformierte haben keine Heiligen. So sollen auch die Reformationsfeiern keine Heiligenfeiern sein.

Die katholische Kirche hat sich seither stark gewandelt. Reformierte und Katholiken haben gelernt, sich als Christen anzuerkennen. Sie haben viele Gemeinsamkeiten, respektieren einander, gehen aufeinander zu. Meinungsunterschiede bleiben, was die Rolle der Frau und das allgemeine Priestertum betrifft. Mit Feuer und Schwert bekämpft man sich nicht mehr.

Es gibt nicht nur einen Reformator, auch wenn in Deutschland dieses Jahr immer wieder so getan wird. Es gibt auch nicht nur drei. Neben Luther, Zwingli und Calvin gab es viele Reformatoren und Förderer der Reformation, deren Namen man weniger kennt.

Luther musste sein Leben lang kämpfen. Er hatte äußere Feinde, die ihn als Ketzer bezeichneten. Er hatte aber auch innere Feinde. In seiner Seele kämpfte er mit Zweifeln, Anfechtungen, Depressionen, dem Teufel selbst. Zum christlichen Glauben gehört immer eine Portion Trotz gegen die Mächte der Welt.

Die protestantische Kirche 2017 muss sich fragen lassen, ob sie noch im Sinne Jesu Christi wirkt. Staat und Kirche sind getrennt, dennoch werden Gehälter vom Staat gezahlt, hier Bischöfe. Wäre es nicht richtig und zeitgemäß, dem Beamtentum abzusagen?

Viel Geld ist geflossen, was das jetzt zu begehende Reformationsjubiläum anbetrifft. Zu viel Geld. Das eingesetzte Geld hätte besser und wirksamer eingesetzt werden können. Inklusion, Armutsbekämpfung, Kirche für andere – das wäre auch im Sinne Luthers gewesen. Der Reformationstag sollte Anlass geben, über die Kirche im Ist-Zustand nachzudenken.

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