Leserbrief

„Zukunft unseres Dorfes sollte uns nicht egal sein“

Zum AZ-Artikel „Spielplatz-Frage spaltet ein Dorf“ vom 9.  März schreibt Ina Krebs aus Altferchau:.

„Es macht mich traurig, welche Ausmaße das Thema Spielplatz und Bauplatz in Altferchau angenommen hat. Wer es nicht weiß: Der bereits im März 2017 genehmigte Spielplatz, für den lange gekämpft wurde, soll auf der einzigen freien Gemeindefläche im Dorf errichtet werden. Zwei Familien haben sich über Jahre dafür eingesetzt und hielten die Einwohner auf dem aktuellen Stand. Über die Platz-Gestaltung wurde oft vor Ort in großer Runde beratschlagt. Groß war die Freude, als der Stadtrat für einen Spielplatz in Altferchau stimmte. Und das nicht nur für die Kinder, die 30 Prozent der Einwohner ausmachen, sondern auch für die ältere Generation und Besucher wie Pilzsammler, Reiter und Radler, die oft durch das Dorf kommen, um hier zu verweilen. Denn der Spielplatz soll nur einen Teil der Fläche darstellen. Auch feste Sitzgelegenheiten gehören zu unseren Vorstellungen.

Doch kurz nach der Genehmigung zeigte jemand Interesse an dem Grundstück, um dort ein Haus zu errichten, und bot der Stadt eine andere Fläche zum Tausch an. Wegen der Gefahr, die von den großen Eichen ausgeht, nahm diese das Angebot nicht an. Im September 2017 bat der Ortschaftsrat um Zusammenkunft aller Altferchauer. Jeder freut sich, wenn junge Menschen in Altferchau leben wollen. Wir waren uns aber einig, dass ein Hausbau einen Spielplatz nicht ausschließen darf. Beides müsse möglich sein. Wir suchten gemeinsam nach Möglichkeiten, und so kam kurzzeitig auch das Fällen der Bäume als möglicher Kompromiss in Betracht. In erster Linie, um den Hausbau und den Erhalt einer Gemeindefläche zu vereinbaren. Heute bin ich froh, dass das Fällen nicht ermöglicht wurde. Wir als Spielplatzfürsprecher (folgend „wir“ genannt) baten die Bauinteressenten darum, alternativ andere Flächen in Betracht zu ziehen, von denen es einige gibt. Auch wenn diese erst gekauft und erschlossen werden müssen. Vorrangig für die Interessenten war der Antrag für das Beseitigen der Eichen, der aber nicht bewilligt wurde. Wir zeigten Kompromissbereitschaft, sprachen mit der Stadt, um gegebenenfalls einen Tausch nach Beschnitt der Bäume zu erreichen. Ohne Ergebnis. Wir schlugen vor, über einen Grundstückstausch innerhalb der Einwohner zu sprechen, alles im Sinne der Bauinteressenten. Für diese kam aber angeblich nur diese eine Fläche in Frage – die letzte Gemeindefläche im Dorf. Erwartet wurde, dass wir auf unseren lang erkämpften und nun genehmigten Spielplatz verzichten. Wir sind fassungslos. Für mich ist es nicht nachvollziehbar, wie sich ein junger Mensch gegen einen Spielplatz und eine öffentliche Fläche aussprechen kann, wenn es andere Möglichkeiten gibt. Zumal immer gemeinsam darüber gesprochen wurde.

Leider wird vergessen, dass mit dem Verzicht auf einen Spielplatz, um dort ein Haus zu errichten, auch eine Fläche für die Gesellschaft, für die Zukunft unserer Kinder und für die vielen Besucher verloren geht. Wer möchte in einem Dorf eine Familie gründen, das den eigenen Kindern nichts bietet? Denn auf privaten Flächen ist öffentliches Treiben heute eine Versicherungsfrage.

Die Aussage, dass wir, die Jahre für den Platz gekämpft haben, gegen den Hausbau seien, empört uns. Wir haben realistische Alternativen gesucht und wollen nur nicht auf das verzichten, was mit viel Mühe und Herzblut für die Gesellschaft erreicht wurde. Bei einem Treffen der Dorfbewohner trafen schließlich zwei Parteien aufeinander. Vorwürfe machten ein angemessenes Gespräch jedoch nicht möglich. Im Streit ging es auseinander. Nach tagelangem Hoffen, dass für den Erhalt des Dorfes und aus Liebe zur Heimat auf Alternativflächen ausgewichen wird, informierte uns eine aufgelöste Rentnerin über eine Unterschriftensammlung, im Zuge der unangemessene Äußerungen über uns getroffen wurden. Zudem fehlten Informationen, etwa zur Begründung für den Bau auf der einzigen Gemeindefläche. Ebenso wenig wurden die Konsequenzen für das Dorf aufgezeigt. Die Rentner ließen ihre Unterschriften wieder streichen. Uns selbst hat diese Liste nie erreicht.

Mittlerweile ist die Gestaltung des Platzes in Planung. Umso mehr schockieren uns die nun getroffenen Äußerungen einer Familie gegen den Spielplatz. Das Dorf ist aber nicht „aufgrund des Spielplatzes gespalten“, sondern aufgrund der Priorisierung persönlicher Belange, ohne Rücksicht auf gesellschaftliche Interessen. Ich und alle anderen, die sich für den Spielplatz und die öffentliche Fläche eingesetzt haben, sind traurig, wütend und entrüstet. Mir liegt unser Dorf sehr am Herzen. Mit der Jeetzequelle, dem nahen Heidau und seiner Randlage ist es etwas Besonderes.

Ich möchte eine schöne Zukunft für meine Kinder und weiterhin ein Dorf, in dem sich Außenstehende wohlfühlen und auch jederzeit willkommen sind. Mein Traum ist es, noch mehr aus diesem Dorf zu machen. Zu einem Anlaufpunkt in der Altmark, wo man die Natur genießen kann und immer ein Platz für Jedermann vorhanden ist. Wer Altferchau kennt, weiß, was ich meine. Und die Erschließung eines neuen Baugrundstückes (und nicht die Beschränkung auf das einzig vorhandene) würde gegebenenfalls weitere Bauflächen ermöglichen, sodass unser Dorf die Möglichkeit hätte zu wachsen und dennoch über einen zentralen öffentlichen Platz verfügt.“

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