Leserbrief

Zum Wohl der Tiere

Osterburg. Anfang Dezember hat das Veterinäramt des Landkreises Stendal 77 Pferde in Osterburg beschlagnahmt. Die Versteigerung der Pferde war für den 27. Januar angedacht. Der Landkreis hat diesen Termin am Mittwoch abgesagt. Zu diesem Thema schreibt unsere Leserin Ellen Renne aus Tangermünde:

Auch wenn diese Auktion ersteinmal ausgesetzt ist, das Thema bleibt aktuell. Es werden Pferde beschlagnahmt wegen schlechter Haltung, was ersteinmal positiv ist. Den weiteren Werdegang empfinde ich als grotesk und perfide gegenüber den Tieren.

Anstatt sie zu vermitteln mit Nachkontrollen, werden die Pferde an den meistbietenden verkauft. Ob der nun wieder für die Haltung die Voraussetzungen hat, scheint nicht zu interessieren. Es geht hier schon wieder nicht um die Tiere, sondern um‘s Geld. Würde es um die Tiere gehen, stünde ein Teil dieser Pferde (wenn nicht gar alle) schon auf Gnadenhöfen. Diesbezügliche Angebote an das Veterinäramt gab es reichlich in den letzten Wochen, die aber nicht angenommen wurden. Das Argument, man müsse die Kosten wieder reinbekommen, zählt für mich nicht. Wenn eine Gesellschaft meint, jedem die Freiheit lassen zu müssen, von der Spinne bis zum Elefanten alles besitzen und vermehren zu dürfen, ob der Mensch nun dazu in der Lage ist oder auch nicht, muss ich als Gesellschaft auch für die Folgekosten dieser Freizügigkeit aufkommen! Das Schwarzbuch des Steuerzahlerbundes ist prall gefüllt, da werden wir wohl Geld für diese armen Wesen haben!

Mit einer Auktion geht das ganze auf „Kosten“ der Tiere. Entweder sie bezahlen beim Schlachter mit dem Leben („nicht zugelassen zur Schlachtung“ und Realität sind zwei Dinge – Papier ist geduldig) oder sie kommen in noch schlechtere Verhältnisse.

Letztendlich dürfen diese Kosten auch nicht bei denen bleiben, die Verantwortung für etwas übernehmen, wozu andere nicht in der Lage waren, bei den Gnadenhöfen. Dort sind die Mittel permanent knapp, weil es zu viel „lebenden Zivilisationsmüll“ gibt, da sich der Mensch regelmäßig überschätzt.

Solche Vorkommnisse sollten endlich dazu führen, das nicht mehr jeder alles an Tieren in beliebiger Zahl halten/ vermehren darf. Der Mensch ist nicht in der Lage, mit seiner „Freiheit“ rücksichtsvoll und verantwortungsbewusst umzugehen. Diese Freiheit geht zu oft auf Kosten der Tiere.

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