Gemeinderatsmitglied nimmt Stellung zur Kritik am Gesundheitszentrum

„Wohl kaum Luxusdiskussion“

Ninett Schneider aus Winterfeld nimmt Stellung zu dem Leserbrief von Dr. Ilja Karl aus Kalbe (war am Sonnabend in der AZ). Der Arzt hatte sich kritisch zum Bau des Gesundheitszentrums in Winterfeld geäußert.

Leserbrief

„Ich möchte Herrn Dr. Ilja Karl einladen, sich die Bedingungen in der Gemeinde Apenburg-Winterfeld vor Ort anzusehen. Nur Unkenntnis der Situation kann zu seiner Äußerung im Nachgang des Winterfelder Gesundheitsforums geführt haben, dass es sich bei der Suche nach einer Möglichkeit der ärztlichen Versorgung um eine Luxusdiskussion handelt.

Seine Meinung oder seine Fragen hätte ich mir direkt während der Veranstaltung gewünscht, dann wäre es möglich gewesen, dazu Stellung zu beziehen. Obwohl Herr Karl während der Veranstaltung das Wort erhielt, hat er es vorgezogen, diese Diskussion im Anschluss an das Forum nicht öffentlich zu führen und damit für eine einseitige Darstellung gesorgt. Diese Vorgehensweise finde ich äußerst schade und unprofessionell.

Herrn Karl, der auch Mitglied des Kreistages ist, sollte bekannt sein, dass unsere Gemeinden, nach der Gebietsreform, nicht nur aus einem Ort bestehen. Dem Gemeinderat wurde in den vergangenen zehn Jahren immer wieder von Bürgern der verschiedenen Ortschaften angetragen, wie problematisch sich nach dem Wegfall der Arztpraxis Garten in Apenburg und später auch der Praxis Dr. John in Kakerbeck die medizinische Versorgung gestaltet. Bürger berichteten sorgenvoll, dass sie beispielsweise in Arztpraxen abgewiesen wurden, um letztendlich nach Stunden in der Notfallambulanz in Salzwedel betreut zu werden. Das sind in den Augen von Herrn Karl also Luxusprobleme?

Jahrelang waren der Gemeinde finanziell die Hände gebunden, auf diese Probleme zu reagieren. Nur die Aussicht auf Unterstützung durch Fördermittel machte es möglich, sich dieser Problematik endlich offensiv zu stellen und im Sinne der Daseinsvorsorge zu investieren. Dass das kein leichter Weg werden würde, war allen Beteiligten bewusst.

Winterfeld konnte und kann sich im Moment noch glücklich schätzen, dass der im Ortsteil Badel der Einheitsgemeinde Kalbe praktizierende Arzt Walter Schulz zweimal wöchentlich Sprechstunden in der örtlichen Sporthalle durchführt, die der ansässige Sportverein zur Verfügung stellt. Dafür sei Herrn Schulz an dieser Stelle ein Dank ausgesprochen.

Inzwischen hat er jedoch mehrfach seinen Ruhestand angekündigt und es darf davon ausgegangen werden, dass ein potenzieller Nachfolger keine provisorischen Sprechstunden anbieten wird. Viele unserer Bürger werden derzeit in Praxen in Beetzendorf oder Klötze betreut. Auch dort gibt es bereits Ankündigungen, dass Ärzte in den Ruhestand gehen werden, ohne dass eine Nachfolge geregelt ist. Wenn der Gemeinderat sich also angesichts dieser Situation Gedanken über die medizinische Versorgung seiner Bürger macht - und das, bevor der Mangel noch größer wird - darf wohl kaum von einer Luxusdiskussion gesprochen werden.

Ich würde mir wünschen, dass auch in anderen Bereichen frühzeitig Warnsignale ernst genommen würden. Beispielhaft möchte ich hier die Versorgung der Schulen mit Lehrpersonal anführen. Auf einmal, ganz plötzlich, wird bemerkt, dass nicht genug Lehrer vorhanden sind. Vor fünf Jahren hätten einige Personen bei diesem Thema wahrscheinlich von einer Luxusdiskussion gesprochen.“

Leserbriefe geben die Meinung des Verfassers wieder. Kürzungen vorbehalten.

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