Eichenprozessionsspinner gibt Vielen zu denken

„Wie verzweifelt muss ein Politiker sein?“

(Symbolbild)

Seehausen. Zum Thema Eichenprozessionsspinner schreibt Gerald Werner aus Groß Garz:

Es ist schon ein ungewöhnliches Ereignis, wenn ein Verbandsbürgermeister sich wegen Körperverletzung anzeigt. Wie verzweifelt muss ein Kommunalpolitiker sein, um zu so einer Maßnahme zu greifen und sich endlich Gehör zu verschaffen? Diese Maßnahme hat Größe und meinen vollen Respekt. Gleichzeitig ist die Problematik mit dem Eichenprozessionsspinner im Norden von Sachsen-Anhalt brisant und gefährlich und man wird das Gefühl nicht los, die Entscheidungsträger im Landkreis und im Land zeigen wenig Interesse dieses Problem, welches nun schon über Jahre andauert, endlich zielgerichtet, effektiv und planmäßig zu bekämpfen.

Als verantwortlicher Schulleiter der Grundschule Groß Garz, wo das betroffene Mädchen beschult wird, mussten wir als Schule mit ansehen, wie die Schülerin allergisch auf die Eichenprozessionsspinner reagierte. Nun ist die Schule jedes Jahr den Auswirkungen der Eichenprozessionsspinner ausgesetzt. So wurden für dieses Jahr der Crosslauf und auch das Sportfest abgesagt, weil wir die Gesundheit der Schüler nicht auf Spiel setzen wollten. Ähnliche Maßnahmen musste auch die Kita in Groß Garz unternehmen. Nun fragt man sich natürlich, warum passiert hier nichts? Ist es Desinteresse, Ahnungslosigkeit, Ignoranz oder einfach nur Inkompetenz, weil man einfach nicht Kenntnis darüber hat, wie lebensgefährlich solche allergischen Schocks, insbesondere für Kinder, sein können? Es muss doch möglich sein, ausreichende finanzielle Mittel, insbesondere in sensiblen Bereichen, wie Schulen, Kitas usw. bereitzustellen, um solche schlimmen Bilder nicht mehr zu sehen. Ich fordere die Verantwortlichen im Landkreis auf, einen entsprechenden Masterplan aufzustellen, wie man in Zukunft zielsicher und effektiv vorgehen will. Die in den letzten Jahren durchgeführten Maßnahmen gegen die Schädlinge muss man ehrlicherweise als nicht zielführend einordnen.

Leserbrief

Völlig andere Ansätze der Bekämpfung sind hier von Nöten. Auch das Umweltministerium in Magdeburg muss seiner Verantwortung bewusst sein und Landkreise und Kommunen finanziell so ausstatten, dass endlich konkrete Dinge angepackt werden können. Pressefreundliche Besuche aus Politik und Verwaltung in den Norden der Altmark – „warum und weshalb sind die Schädlinge da?“ – vertreiben keinen Spinner.

Die Gefühle und Bedürfnisse der Bürger ernst nehmen zu wollen ist die Aufgabe von Politik. Und dieser Aufgabe kommen die Entscheidungsträger im Kreis und Land nicht ausreichend nach. Der Staat darf sich nicht aus der Fläche zurückziehen und meinen, irgendwie regelt sich schon alles.

Leserbriefe geben die Meinung des unterzeichnenden Verfassers wieder, mit der sich die Redaktion nicht immer identifiziert. Anonyme Briefe werden nicht veröffentlicht.

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