AZ-Leserbrief

„Wer hat die Stauanlagen geöffnet?“

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Wald (Symbolbild).

Renate Jung aus Salzwedel macht sich Sorgen um den Wald Bürgerholz:

Ich bin entsetzt! Ist das Bürgerholz noch zu retten? Ich habe 35 Jahre in Hoyersburg gelebt und bin jeden Tag mit meinem Hund durch das Bürgerholz spazieren gegangen.

Ich habe in den vergangenen zwei Jahren dramatische Veränderungen im Wald bemerkt, die mich bekümmern. Früher konnte man das Bürgerholz trockenen Fußes nur mit Gummistiefeln betreten oder wenn Frost war. Und heute? Es ist alles trocken! Das Wasser, das trotz der zwei trockenen Jahre noch hätte da sein müssen, ist weg. Die Gräben führen kein Wasser mehr, weil sie nicht mehr angestaut sind. Wer hat die Stauanlagen geöffnet, damit das Wasser abfließen konnte?

Die Folgen sind für den Feuchtwald katastrophal. Der Bohlenweg, der über dem Moor mit öffentlichen Fördergeldern errichtet worden war und auf den man doch so stolz war, ist marode und nur noch zum Teil begehbar. Das Moor darunter ist ausgetrocknet. Ob im nächsten Frühjahr überhaupt noch Frösche quaken? Die Eingänge sind mit Schranken, die bis in die Gräben reichen, so abgesperrt, dass man das Bürgerholz nur noch mit Mühe betreten kann. Mit dem Fahrrad geht es gar nicht und auch nicht mit einem Rollstuhl. Wer will die Öffentlichkeit aussperren? Was ist, wenn der Wald brennt und die Feuerwehr löschen soll? Hat sie Schlüssel für die Schranken?

Es liegen riesige Stapel abgeholzter Buchenstämme an den Wegrändern. Transporter mit polnischen Kennzeichen holen das Holz aus dem Wald. Darf das geschehen? Welche Bedingungen wurden beim Verkauf des Waldes im Vertrag festgehalten? Wer kontrolliert die Einhaltung? Wurde unser Bürgerholz einfach nur verscherbelt? Das Bürgerholz, dieser wunderschöne Feuchtwald, sollte doch trotz des Verkaufs weiter für alle da sein?

Das hat die Stadt uns Bürgern zugesagt. Das Bürgerholz ist ein streng geschützter Feuchtwald – wie lange noch? Meiner Meinung nach beginnt die Klimakatastrophe hier. Die ganze Welt ist entsetzt über die brennenden Regenwälder in Brasilien und über die Ignoranz der dortigen Regierung. Wir geben kein gutes Beispiel, wenn wir so mit dem Wald vor unserer Haustür umgehen.

Renate Jung, Salzwedel

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Leserbriefe geben die Meinung des unterzeichnenden Verfassers wieder. Anonyme Schreiben werden nicht veröffentlicht. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

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