Wilfried Padelt hinterfragt den Streit um das Schierker Seilbahn-Projekt

„Warum erst die maßlosen Angriffe?“

Zum Schierker Seilbahn-Projekt schreibt Wilfried Padelt aus Havelberg:

Lesermeinung

Das Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr ist im Genehmigungsverfahren für die Seilbahn zuständig, heißt es. So soll es auch sein. Nur haben auch andere ein Mitspracherecht.

Und es stellte sich heraus, dass das Seilbahnprojekt Schierke unzulässig ist, da es gegen geltendes europäisches Recht verstößt. Im Raumordnungsverfahren weist die Karte 1c zur Umweltverträglichkeitsuntersuchung aus, dass das geplante Wander- und Skigebiet Winterberg ein nicht kleines EU-FFH-Gebiet beansprucht für eine Seilbahn mit Bergstation und Pisten.

Bekannt ist, dass für FFH-Gebiete die Verpflichtung zur Sicherung eines günstigen Erhaltungszustandes des jeweiligen Gebietes und nach Möglichkeit die Wiederherstellung des Gebietscharakters und der spezifischen ökologischen Funktionen besteht.

Wer dagegen verstößt und wissentlich eine Zerstörung oder Verschlechterung eines Gebietes oder seiner geschützten Tier- und Pflanzenarten bzw. Lebensräume vorantreibt bzw. in Kauf nimmt, kann sogar strafrechtlich belangt werden. Eine Umweltministerin kann also gar nicht anders als das Projekt abzulehnen, es sei denn, sie hätte grünes Licht von der EU bekommen.

Diese Rechtslage war doch dem Tourismus-Investor Gerhard Bürger genauso bekannt wie unserem Verkehrsminister Thomas Webel (CDU).

Dass Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) Umweltministerin Dalbert (Bündnis 90/die Grünen) Anfang Januar angewiesen hat, einen für das Seilbahnprojekt in Schierke „wichtigen Waldflächentausch“ mit Wernigerode vorzunehmen, ist ebenfalls äußerst bedenklich, zumal auf einmal aus Webels Haus die Aussage kommt, dass Webel bereits im Dezember dem Investor eine Trasse fernab der Schutzareale vorgeschlagen habe.

Aber jetzt soll es schnell anders gehen – mit einer neuen Trassenführung und einer ergebnisoffenen Prüfung – so Thomas Webel. Warum also erst die maßlosen Angriffe gegen Frau Dalbert?

Dennoch ist zu hinterfragen, ob wir jegliche Investitionen eines Spaß-und Sporttourismus über die Belange des Naturschutzes stellen sollten. Die wunderschöne und naturnahe Harzlandschaft bietet so viel Potenzial für die Erholung gestresster Menschen.

Leserbriefe geben die Meinung des Verfassers wieder. Anonyme Briefe werden nicht veröffentlicht. Kürzungen behält sich die Redaktion vor.

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