Stadt installiert Brötchentaste vor der Post für die Post – die macht dicht

„Über Ihren Tellerrand schauen“

Post-Kunde Jens Steinführer aus Salzwedel ärgert sich (AZ vom 28. Juli: „Hauptpost macht dicht“) und appelliert in einem offenen Brief an das Unternehmen, die Schließentscheidung noch einmal zu überdenken:.

Leserbrief

Sehr geehrte Post-Entscheider, die Gesellschaft befindet sich im ständigen Wandel. Produkte und Dienstleistungen, die Art wie wir einkaufen, wie wir leben, und wie wir kommunizieren, ändert sich in immer kürzeren Intervallen. Als Unternehmen müssen Sie natürlich darauf reagieren, um den neuen Anforderungen gerecht zu werden.

Es ist nun die Entscheidung gefallen, die Filiale in der Breiten Straße 34 in der Hansestadt Salzwedel zu schließen, mit der Aussicht, an einer anderen Position einen Servicepoint zu eröffnen. Dabei wurde erst vor einigen Wochen für diese Straße die sogenannte Brötchentaste eingeführt, damit Kunden ohne Parkgebühren auch Ihre Dienstleistungen in Anspruch nehmen können. Allerdings reichen die 15 Minuten nicht immer aus, weil man länger bei der Post anstehen muss. Da fragt man sich, wie lange man anstehen müsste, damit Ihre Kosten-Nutzen-Rechnung aufgehen würde.

Sicher, ein so ehrwürdiges Postgebäude, wie wir es in Salzwedel haben, ist nicht nur massiv gebaut, es verursacht auch massive Kosten. Dass ein gewinnorientiertes Unternehmen sich dieser Kosten entledigen möchte, kann man nachvollziehen.

Das Postgebäude ist aber nicht nur ein Anlaufpunkt für Kunden, sondern auch ein Fels in der Brandung der Innenstadtveränderung. Durch die jetzige strategische Lage konnten in der Breiten Straße viele Händler gehalten werden, die durch andere Faktoren benachteiligt sind.

In einem Zeitungsartikel wird geschrieben, dass es Gespräche mit Nachmietern gebe. Dabei ist das Gebäude zu spezifisch, als dass es einer anderen Nutzung sinnvoll zugeführt werden kann. Es wird, wie ich es auch aus Sachsen kenne (Werdau, Crimmitschau) ein Leerstandsobjekt werden. Nur stehen die Gebäude dort nicht im Herzen der Innenstadt, sodass dies nicht so auffällt.

In Glauchau ist man verantwortungsvoller mit dem Thema umgegangen. Dort wurde die Post, die, wie in Salzwedel, den Beginn der Innenstadt markiert, liebevoll restauriert – sogar alte Deckenmalereien aus der Erbauerzeit reaktiviert – und ist nun eine Attraktion in einer Stadt, die sonst auch sehr stark mit der Belebung der Innenstadt zu kämpfen hat. Die genannten Beispielstädte haben jeweils um die 20 000 Einwohner, womit vergleichbare Verhältnisse zu Salzwedel angenommen werden können.

Als Unternehmen stehen Sie unter Druck, stetig Erfolge vorzuweisen und Ihren Aktionären (steigende) Gewinne zu präsentieren. Im letzten Jahr hatten Sie zum Beispiel einen Gesamtjahres-Überschuss von 2,639 Millionen Euro. Aber sind Sie nicht auch Ihren Kunden verpflichtet, ihnen bestmöglichen Service zu bieten? Wenn es heißt, die Mitarbeiter seien auf der Suche nach einem neuen Standort, gleichzeitig aber der Schließungstermin schon beschlossen ist, zeigt es, dass es nicht unbedingt um bessere Kundenbindung geht. Als ehemaliger großer Staatsbetrieb (welcher durch öffentliche Gelder somit von uns Bürgern finanziert wurde), stehen Sie auch in gesellschaftlicher Verantwortung.

Daher möchte ich an Sie appellieren, über Ihren eigenen Tellerrand hinaus zu schauen, den Gesamtkontext Ihrer Entscheidung zu erkennen und mit dem Verzicht auf die Schließung der Postfiliale in der Breiten Straße 34 der kleinen Stadt Salzwedel im Kampf gegen das Aussterben der Innenstadt zu helfen.

Leserbriefe geben immer die Meinung des Verfassers wieder. Sie müssen mit vollem Namen und gültiger Adresse unterzeichnet sein. Anonyme Schreiben werden nicht veröffentlicht.

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